Frank Zappa & The Mothers of Invention with Captain Beefheart

„Bongo Fury“

Zappa/Universal (VÖ: 20.3.)

Das verunglückte, jetzt um viel Hörenswertes ergänzte Hybrid-Album zeigt zwei der größten Avantgardisten der Rock-Geschichte letztmalig vereint.

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Sie waren das Duo infernale der experimentellen Musik. Frank Zappa und Don Van Vliet, zwei eigenbrötlerische Teenie-Seelen, hatten sich Mitte der 50er-Jahre auf einer kalifornischen Highschool kennengelernt. Es verband sie die gemeinsame Liebe für Doo Wop, Art brut und alles, was die künstlerische Ordnung durcheinanderbrachte. Doch ihre Philosophien entwickelten sich auseinander. Der eine, Zappa, wurde zum perfektionistischen Komponisten zynischer Rock-Symphonien. Der andere, den Zappa Captain Beefheart getauft hatte, wurde zu einer Art Schamane des unfokussierten Wahnsinns.

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So entwickelte sich zwischen ihnen eine unstete Beziehung. Mal stritten sie sich, mal trieben sie einander zu kreativen Höchstleistungen an. Mit Beefheart als Leader und Zappa als Produzent schufen sie 1969 den Avant-Brocken „Trout Mask Replica“, 80 Minuten ohrenzerrender Dada-Blues, Musik jenseits aller Harmonie. Beefheart wiederum schlüpfte auf Zappas bahnbrechendem Solodebüt, „Hot Rats“, in die Rolle von „Willie The Pimp“. Weil Beefheart danach öffentlich über seinen Kompagnon ablästerte, trennten sich ihre Wege wieder.

Der Plan ging auf – teilweise

Bis 1975. Damals war Beefheart pleite, er hatte sich in dubiose Verträge verstrickt, die er nicht erfüllen konnte. Also bat er Zappa um Hilfe, der ihn auf seine nächste Tour einlud. Nicht ganz uneigennützig, denn Zappas Begleitband, die Mothers Of Invention, war kurz zuvor implodiert. In der Hoffnung auf neue Impulse reformierte er die Mothers, unter anderem mit Drum-Wunderkind Terry Bozzio und mit Jazz-Virtuose George Duke an den Keys.

„Bongo Fury“ dokumentiert das Ergebnis dieser Shows und zeigt: Der Plan ging auf – teilweise. Wie zuvor schon trieb sich das Duo zu Hochleistungen an. Zappa hatte seine quirligen Arrangements zugunsten von erdigem Blues zurückgefahren, Beefheart wiederum mischte die perfekt eingespielte Band mit Improvisationen auf. Während der ausgedehnten Soli der Mothers blies er auf der Mundharmonika, wie im schleppenden „Advance Romance“. Dann wieder krächzte er Zappas Obszönitäten mit schmirgelpapieriger Stimme (sensationell: der sexuell unzulängliche „Muffin Man“). Und wenn ihm langweilig wurde, trug er dadaistische Gedichte vor, ließ seine Worte über den „Man With The Woman Head“ und „Sam With The Showing Scalp Flat Top“ wie eine paarungswillige Schlange zu Zappas wirbelnder Gitarre zucken.

Heute gilt „Bongo Fury“ als ein Album der Kompromisse. Zappa-Fanatiker sehen es zwiespältig, kritisieren Beefhearts Nonsens. Bewunderer des Captains sind oft von Zappas radikalen Eingriffen irritiert, der die Live-Songs um schleppende Studiotracks ergänzte: „200 Years Old“ und „Cucamonga“. Das Endergebnis fiel so noch schizophrener aus, logisch. Die erweiterte Edition zum 50. Jubiläum korrigiert einiges davon, indem sie sich aufs Wesentliche konzentriert. Neben einer Handvoll Outtakes versammelt sie die zwei Konzerte in voller Länge, aus denen Zappa das finale Album kompilierte. Dort hört man, dass Beefheart und Zappa sich besser ergänzten, als es „Bongo Fury“ suggerierte. Highlights sind fiebrige Darbietungen von „Willie The Pimp“ und die clipshowhafte, bislang unveröffentlichte Zappa-Komposition „Portuguese Lunar Landing“. Nach den Gigs wechselte Beefheart die Plattenfirma, Zappa löste die Mothers endgültig auf, zusammen arbeiteten sie nie mehr. Was bleibt, ist „Bongo Fury“ als letztes Testament ihrer Kameradschaft.