Friko

„Something Worth Waiting For“

ATO (VÖ: 24.4.)

Eindringlicher Indie-Rock aus Chicago.

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Ein Seufzen wird zum Schrei, Wehmut zu Verzweiflung, eine Schrammelgitarre zum rabiat-lärmenden Stakkato. Doch anstatt krachend zu explodieren, implodiert „Guess“ am Ende nur. Er fällt traurig in sich zusammen, während Niko Kapetan die einzige Textzeile, die dieses Lamento braucht, wieder und wieder singt, es zu einem trotzigen Mantra macht, das den Zustand einer Welt beklagt, die nicht genug zu bieten hat, um einen glücklich zu machen.

Ein Seufzen wird zum Schrei, Wehmut zu Verzweiflung

Die Dringlichkeit und Ungeduld, die sich hier angestaut hat, lässt dieses Album wie ein Debüt klingen, nach Songs von Jungs, die noch nicht richtig erwachsen in ihrer Sturm-und-Drang-Phase feststecken. Und obwohl das altermäßig fast sogar hinhaut, ist „Something Worth Waiting For“ tatsächlich schon das zweite Album der Band um Niko Kapetan. Das Quartett aus Chicago sorgt in den USA schon für so viel Aufsehen, dass ein Grammy-Gewinner für die Produktion zuständig ist (John Congleton), mit dem es Friko gelingt, die ungestüme Verve des ersten Mals zu konservieren.

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Kurios ist natürlich auch, dass eine Band, deren Songs vor juveniler Ungeduld zu zerplatzen drohen, ihr zweites Album „Something Worth Waiting For“ nennt. Nein, Abwarten ist nicht Niko Kapetans Stärke: „Pile up interstate and we’re in a rush/ Driving on stateto-state like we’re on the run“, presst er zum Beispiel in „Choo Choo“ mit solcher Dringlichkeit heraus, als ob er die Stereophonics beerben wollte. Auch wenn die Band sich zwischendurch mit etwas Pop-Melancholie Luft verschafft („Certainty“), opulente Balladen ausprobiert („Hot Air Ballon“) oder Psych-Folk-Hymnen inszeniert („Seven Degrees“), ist hier Indie-Rock eigentlich immer der Soundtrack der Teenage Angst.