Harper Lee Gehe hin, stelle einen Wächter

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„Heuchler haben genauso ein Recht, auf dieser Welt zu leben, wie alle anderen auch“, entgegnet Rechtsanwalt Atticus Finch seiner Tochter Jean Louise, als sie sich wutentbrannt für immer von ihm verabschieden will. Zuvor wurde sie Zeugin seines Engagements im rassistischen Bürgerrat ihrer verschlafenen Heimatstadt Maycomb/Alabama. 55 Jahre nach dem Klassiker „Wer die Nachtigall stört“ ist nun die Geschichte erschienen, die Harper Lee davor verfasst haben soll. Darin wird der einstige Held Atticus Finch als rassistischer Wendehals entlarvt und von dem Sockel gestoßen, auf den ihn 40 Millionen Leser sowie Gregory Peck in der legendären Romanverfilmung gesetzt haben. Der neue Roman zeigt, dass Lee eine deutlich explizitere Auseinandersetzung mit dem rassistischen Zeitgeist und ihrer eigenen Emanzipation davon vorschwebte. Ihre tatsächliche Schlagkraft entwickelt die zwischen erzählter Gegenwart und Kindheitserinnerungen wechselnde Handlung aber erst vor dem Hintergrund des literarisch deutlich stärkeren Debüts, das jetzt übrigens in überarbeiteter Übersetzung neu erschienen ist.

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