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HAZELDINE – Digging You Up POLYDOR


Die unbeschreibliche Leichtigkeit des Seins überlassen Hazeldine weiterhin den Gläubigen und anderen Luftikussen. Auch der Solipsismus ist nicht ihre Sache, wiewohl er doch Tiefe und Schwere suggeriert, zwei Eigenschaften, die allen Hazeldine-Songs innewohnen. „Fenster zur Seele“ hätte Rimbaud diese Poeme wohl genannt, die durch die Langsamkeit ihres Vortrags noch an Bedeutsamkeit gewinnen, ebenso wie durch die herbe, schlichte Schönheit dieser Harmonies, die Tonya Lamm und Shawn Barton wie Sterne ans Firmament ihrer Melodien hängen.

Es welkt und vergeht in diesen Liedern, die Vergänglichkeit von Glück zieht sich wie ein roter Faden durch die Gedankenwelt der Autorinnen. Am eindringlichsten in Tonyas „Dead Luve“, das nicht nur melodisch ein ganzes Dutzend englischer Folk-Traditionals beleiht: „Go dig my grave and dig it deep/ Put rocks and flowers at my feet/ If I fall to hell or fly above/ Please teil ‚em all I died for love.“ Davor und danach, im fade-in wie im fade-out, mutiert die Gitarre in einen Humpback-Whale und fiept und klagt, daß man meinen könnte, man habe sich auf eine Judy-Collins-Platte verirrt. Gänsehaut garantiert.

Selten geht es so direkt und unverblümt zu wie im Liebeslied für „Bob“ („You’re all the man I ever need“) oder in der todtraurigen Ode an „Daddy“ („I feel closer to him tonight ‚cause I, too, possess a fatal weakness“). „Daddy“ ist einer von vier Songs, die man bereits vom ersten Album kennt Die anderen sind das Flaggschiff „Apothecary“, das früher fragile und nunmehr federnde „Allergie To Love“ sowie, eigentlich ganz überflüssig, das Grant Lee Buffalo-Cover „Fuzzy“. Letzteres wurde auf Wunsch des Labels inkorporiert. Das ist um so erstaunlicher, als die Band 21 Tracks aufgenommen hatte, die Auswahl also erklecklich war. Andererseits kann sich der hiesige Fan nicht ganz der Logik verschließen, daß Hazeldine in Amerika erst mit dieser LP, ihrem Major-Label-Debüt, an die Öffentlichkeit treten, und so für die Landsleute alles neu ist an „Digging You Up“.

Der Sound mag marginal robuster sein als auf „How Bees Fly“, voluminöser auf jeden Fall, doch geht das nicht zulasten des Materials. Solitäre dieser Strahlkraft verlieren nicht ihren Glanz, wenn die Gitarre mal zerrt oder sonstwie übermütig übers Ziel hinausschießt Nicht einmal das zeitspezifisch zu laute Klopfen des Schlagwerks stört nachhaltig. Diese wunderschön geschwungenen Hazeldine-Melodien sind gewiß nicht für Millionen, vielleicht auch nicht für die Ewigkeit aber etwas Besseres, Innigeres finden Sie derzeit nur bei Lucinda Williams.


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