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Iggy & The Stooges Ready To Die


Fat Possum/PIAS


von

Darauf gewartet hat so gut wie niemand. Dafür war „The Weirdness“, das Reunion-Album von 2007, allzu rasch vergessen. Als zwei Jahre darauf Ron Asheton starb, Gründungsmitglied der Stooges, lag der Verdacht nahe, dass der lautstarken Truppe aus Ann Arbor das endgültige Aus drohte, auch wenn sie kurze Zeit später die Rückkehr von Gitarrist James Williamson zu vermelden hatte. Die Aufnahme in die Rock And Roll Hall Of Fame 2010 ist demnach ein hübscher Gedenkstein für eine der einflussreichsten Bands der späten 60er-Jahre gewesen. Die Stooges seien zwar Geschichte, bemerkte Iggy Pop spitzfindig, aber es gebe ja immer noch Iggy & The Stooges. Deren neuer Longplayer versteht sich demgemäß als Nachfolger von „Raw Power“ (1973), der ersten Platte, die unter dem Signet Iggy & The Stooges erschien und an deren Entstehung Williamson nicht unerheblichen Anteil hatte. Dass das Comeback-Album ausgerechnet „Ready To Die“ heißt – wie übrigens auch, ojemine, das Debüt von The Notorious B.I.G. –, spricht Bände. Dem Tod, dem man eben noch mitgeteilt hat, er solle nur kommen, wird trotzig auf die Kapuze gespuckt. Aber was hält permanent barbrüstige Proto-Punker, die zumindest eine ganze Weile mit einem Bein im Grab standen, eigentlich am Leben? Genau! Dasselbe wie früher: „Sex & Money“.

Alles beim Alten also? Unbedingt. Scott Ashetons Schlagzeug marschiert stumpf voran, Mike Watts Bass, seit „The Weirdness“ mit von der Partie, tigert hinterdrein, Williamsons erstklassige Gitarrenriffs rollen das Feld von hinten auf, Steve Mackays Saxofon übernimmt wie einst auf „Fun House“ allenfalls sporadisch die Führung, bevor Iggys krächzender Bariton unmissverständlich klarmacht, gegen welche Wände es anzurennen gilt. Krachende, unumwunden abgeschmackte Schweinigeleien wie „Burn“, „Job“, „Gun“ oder auch der Titelsong sind derart testosterongesättigt, dass sich beim Hören das Bartwachstum beschleunigt. Musikalisch ist das so primitiv und altmodisch, wie es nur geht. Die Botschaften sind entsprechend simpel: „I Got A Job But It Don’t Pay Shit“; wer könnte das unterhalb von Vorstandsetagen und gehobenem Management nicht unterschreiben? Spaß macht der nicht mehr taufrische Brachial-Rock natürlich trotzdem – in Maßen. Denn an die Urgewalt, die Klassiker wie „Search & Destroy“ oder „Your Pretty Face Is Going To Hell“ ehedem ausstrahlten, reichen die aktuellen Muskelspielereien bei Weitem nicht heran.

Es fragt sich, welcher Naughty Little Doggie damit hinter dem Ofen hervorgelockt werden soll. Zeitgemäß oder gar zeitlos wirkt „Ready To Die“ jedenfalls nicht. Dessen ungeachtet darf erleichtert zur Kenntnis genommen werden, dass Iggy Pops erschütternde Feingeist-Phase vorerst vorüber zu sein scheint. Hauptsache, er singt nicht mehr französisch! Er und die Stooges mögen uns nicht viel zu sagen haben, aber wenigstens tun sie es laut und deutlich. Bereit abzutreten sind sie noch lange nicht.


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