Incubus : If Not Now, When? (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Incubus  If Not Now, When?


Sony 8. Juli 2011


von

In jedem Lied auf dem neuen Werk von Incubus steckt dieselbe Botschaft: Wir haben uns beruhigt. Das Quintett aus Kalifornien hatte vor einigen Jahren vor den Geistern kapituliert, die es selbst gerufen hatte – der Ruhm forderte seinen Tribut. Nach einer dreijährigen Pause für Familie, Soloalben und Hochschulstudien kommt die Band jetzt zurück und überrascht mit einem unerwarteten Album.

Auf „If Not Now, When?“ ist die ruhigste Musik, die die Band um Brandon Boyd bislang aufgenommen hat. Niedriges Tempo, großzügige Weite, weises Lächeln – Incubus atmen aus. So überraschend die Zen-artige Freundlichkeit ist, Incubus spielten freilich schon früher Ähnliches – immer dann, wenn die Trommeln gerade nicht dröhnten und die Gitarren nicht verzerrten. Jetzt ist mehr Raum für Ruhe und US-amerikanische Popmusik. „Promises, Promises“ hat ein schönes Klavier-Riff, „Friends And Lovers“ steht auf einem filigranen Gitarrenthema wie von Dave Matthews. Und das kräftiger zupackende „Adolescent“ knüpft gut an „Love Hurts“ an, ihren größten Single-Hit.

Der neue Klang steht Incubus gut: Die Band gewinnt an Kontur und Tiefenschärfe, wirkt reifer, musikalisch potenter. Und sonst noch: Zwei Lieder im Stil von Led Zeppelin („That’s The Way“,  „Thank You“), eine fast Eno-artige Collage („Tomorrow’s Food“) sowie einige experimentelle, dann wieder lautere Etüden. Überraschend ist auch, dass dieses Album von Brendan O’Brien produziert wurde, der sein Spektrum mit „If Not Now, When?“ wieder erweitert.


ÄHNLICHE KRITIKEN

The Interrupters :: „In The Wild“

Ist das die Rückkehr der Ska-Punk-Partybands?

Yo La Tengo :: „I Can Hear The Heart Beating As One“ – Der wilde Schlag des Herzens

Ein Meilenstein der Independent-Musik, erweitert um Peel Sessions und Remixes

Josh Rouse :: „Going Places“ – Heiterer Emigrant

Auch sein neues Album mit Pop-Vignetten hat Josh Rouse in Spanien aufgenommen.


ÄHNLICHE ARTIKEL

Indiana Jones: Warum „Das Königreich des Kristallschädels“ nicht der schlechteste Indy ist

Aliens und Affen an Lianen: Umgehend nachdem „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ ins Kino kam, wurde er zum unbeliebtesten Film der Abenteuer-Reihe. Zu Unrecht.

Kritik: Gorillaz live in Berlin – Hier tanzen auch zynische Hipster

Die virtuelle Band rund um Frontmann Damon Albarn befindet sich auf Welttournee. Am 24. Juni spielten sie in der Parkbühne Wulheide in Berlin.

10 Gründe, warum „Pet Sounds“ als das beste Album aller Zeiten gilt

Auch über ein halbes Jahrhundert nach seinem erscheinen gilt „Pet Sounds“ vielen Kritiker*innen als das beste Album aller Zeiten. Woran liegt das eigentlich?