Isolation Berlin Vergifte dich



von

Jetzt mal ernsthaft: Gibt es momentan eine andere Band in Deutschland, die solche Texte schreibt? Texte, die ein allgemeines Lebensgefühl artikulieren und dabei dennoch unbedingt persönlich und poetisch sind? „Wenn du mich suchst, du findest mich am Pfandflaschenautomat. Da hol ich mir zurück, was mir gehört“, singt Tobi Bamborschke mit einer Stimme, bei der viele an Rio Reiser denken.

Nicht weil er in jeder Nuance so klänge, sondern weil dahinter eine ähnliche Haltung steht: eine Verzweiflung über die Zustände, aber auch das Wissen, dass sie sich mit ein paar Schlägen in die Fresse oder einem Kartenhaus aus Serotonin allein nicht ändern lassen.

Die Lieder von „Vergifte dich“ sind beängstigend nah am Leben. Oder besser: Sie trotzen dem oft grauen Alltag eine Würde ab, verleihen dem Unbehagen an der Gesellschaft einen nihilistischen Glanz. Musikalisch oszilliert das Album zwischen berauschtem Kneipenlied und pessimistisch nachtretendem Post-Punk. Aber wie zart ist „Vergeben heißt nicht vergessen“! Dafür kann man sie gar nicht genug lieben. (Staatsakt)


ÄHNLICHE KRITIKEN

Isolation Berlin :: Und aus den Wolken tropft die Zeit

Schluss mit Ironie und Cleverness: Direkte, intensive Rockmusik