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James Blake The Colour In Anything

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Das schöne „Modern Soul“ war der erste Vorabsong des dritten Albums von James Blake. Aber ist es auch moderner Soul? Zumindest versammelt das Lied alle wesentlichen Zutaten eines seelenhaltigen, modernistischen Pop: eine verschleppte, zugleich körperlos zerstäubende und basswuchtige Melancholie, ein mini-malistisch-elektronisches Setting und soziophoben, falsettenen Gesang. Bezeichnend, dass Blake hier zwar über die Trennung von seiner Freundin barmt, aber nicht betrübter klingt als sonst. Vielmehr wirkt dieser Hintergrund fast schon prosaisch angesichts der grundsätz-lich dystopischen Wehmut, die -Blakes Schaffen bestimmt.

Diesen speziellen Ansatz hat James Blake 2011 erstmals auf dem Albumdebüt vorgestellt, die EPs zuvor spielten noch im -experimentellen Clubbereich. Mittlerweile hört man seinen Post-Dubstep-Einfluss ja in den abstrakten Elektrotracks einer FKA twigs, im bodenständigeren Pop eines Jamie Woon und auch im schicken Mainstream-Weh einer Banks – ein Sound zwischen nagelneuem Hipster-R&B und elektronischem Songwritertum, wie ihn hier seine Gäste Frank Ocean und Justin „Bon Iver“ Vernon jeweils verkörpern. Mit seinem eigenen Gastauftritt bei Beyoncé kann man ihn nun wiederum offiziell für erstligareif erklären.

Dabei fällt auf, wie sehr Blakes Sound auch Genre geworden ist. Dieses beherrscht er eindrucksvoll (ist ja seins), von ausgehöhlten -Quasistompern mit paranoiden Streichern wie dem eigentümlich spitzen „I Hope My Life“ zum ultra-synthetischen „Love Me In What-ever Way“ oder dem träumerisch skelettierten R&B „Always“ mit Frank Ocean bis schließlich zum tollen, elegant posthumanen Gospel-Acappella aus Vocoderstimmen in „Meet You In The Maze“. Die Songs sind fast durchweg eindrucksvoll klar und oft originell gearbeitet, handwerklich sicher gestaltet und gefärbt.

Was fehlt also? Hört man die frühen Arbeiten zum Vergleich, sind es offenbar Luft und Lücken. Denn darin konnte sich, so scheint es, die Seele besser ausbreiten.

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