Jamie XX In Colour

Young Turks/Xl/Beggars Group (Indigo)

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Jamie XX: 'In Colour'
Foto: Young Turks/Xl/Beggars Group (Indigo)

Der junge Produzent und Mastermind hinter The xx veröffentlicht nach sechs Jahren Arbeit endlich sein Debütalbum. Echt?, fragt man sich, warum erst jetzt? Man liest doch ständig von ihm: Jamie xx produziert Topstars wie Alicia Keys und Drake, remixt Adele, Radiohead oder Florence + The Machine. Und weil ihm das offenbar immer noch nicht reicht, interpretierte er 2011 das letzte Album von Gil Scott-Heron als „We’re New Here“ noch einmal komplett neu. Alles unter den Jubelseufzern der Kritiker.

Doch nebenbei hat Jamie Smith in den vergangenen sechs Jahren eben auch an den Songs für „In Colour“ gebastelt. Unterstützt von den The-xx-Bandkollegen Romy Madley Croft und Oliver Sim ist so ein Album entstanden, das zeitlos modern klingt – aber auch sehr lieb und nett. Musik wie ein aufgeräumtes, gut ausgestattetes Kinderzimmer. An den Beats und Bässen hat Jamie xx kleine Polster angebracht – damit sich niemand verletzt. Aber das stört eigentlich kein bisschen.

Absolut herausragend ist „I Know There’s Gonna Be (Good Times)“ mit den Gästen Young Thug und Popcaan – eine karibisch gewürzte Sommerhymne voller Soul, die genau so klingt, wie sie heißt. Der Pharrell-Williams-Song des Albums! Der Rest springt einen nicht ganz so schnell an. Das instrumentale „The Rest Is Noise“ entfaltet eine sehr abwechslungsreiche Ambient-Landschaft.

Effektivität statt Originalität

Andere Tracks klingen so angenehm bekifft wie die bereits veröffentlichte Single „Girl“. Es ist sicher kein Zufall, dass „In Colour“ im Frühsommer erscheint. Die sanft plätschernde Musik lädt ein zum entspannten Abhängen und Mit-dem-Kopf-Wippen. Ein Großteil der Stücke baut sich so langsam und gemächlich auf wie der Auftakt, „Gosh“. Das ist nicht besonders originell, aber sehr effektiv: So entsteht eine Art fluoreszierender, supersofter Mahlstrom, der den Hörer weit mit sich trägt. „Seesaw“, gesungen von Romy, ist fluffig hüpfender  Marshmallow-Dream-Pop.

Und wenn man sich erst mal damit abgefunden hat, dass hier aus einer sanft federnden Spielzeugwelt heraus musiziert wird, dann findet man, dass „In Colour“ eigentlich doch ein sehr schönes Album geworden ist.

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