The xx beim Lollapalooza 2017: Beat(monstren) für die Demokratie

Das nennt man wohl eine echte Aufgabe! Als The xx am Sonntag auf dem Lollapalooza Festival auftreten, machen sich bereits Tausende Besucher auf den Heimweg. Wenige Minuten zuvor haben die Foo Fighters einen beispiellos muskulösen Unterhaltungsauftritt hingelegt, der das Gelände der Galopprennbahn in Hoppegarten regelrecht in Flammen aufgehen ließ. Mehr brauchten viele wohl auch nicht, um glückstrunken von dannen zu ziehen. Undankbarer konnte die Herausforderung für die Briten also nicht sein, den Abschluss der im Großen und Ganzen überzeugenden dritten Ausgabe des Lollapalooza Festivals zu geben.

Vor einigen Jahren wären die kühlen Uptempo-Nummern von The xx vielleicht noch der ideale Rausschmeißer gewesen. Doch inzwischen hat sich die Welt ein paar Mal um die eigene Achse gedreht und die Musiker wohl auch zu anderen Menschen gemacht. Die Londoner haben spätestens mit ihrer fabelhaften neuen LP „I See You“ ihr introvertiertes Korsett gelockert – zugunsten von versöhnlichen, wohltemperierten Flüster-Hymnen wie „Say Something Loving“. Auch die minimalistischen Tracks vor allem ihres Debüts werden live diesem Dehn- und Streckprogramm unterzogen, so gut es eben geht. Das war zuletzt schon bei dem eher zwiespältigen Gig von The xx in der Berliner Arena zu beobachten.

Liebeserklärung an Berlin

Während Songs wie „Dangerous“ furios pumpen und mit Polizeisirene zum an Black Enemy erinnernden Beatmonstrum stilisiert werden, erleiden vor allem einigen älteren Tracks das Schicksal, zu Schmalspurvignetten zu verkommen. Während „Intro“ natürlich immer noch als fabelhafter (unterkühlter) Anheizer funktioniert, wirken „Infinity“ und vor allem „Islands“ wie pflichtbewusst und irgendwie viel zu kurz abgespult. The xx sind auf der Zielgeraden ihrer Europatournee, die ihre größte und erfolgreichste war. Wie auch schon vor einigen Wochen in der Arena bekennen Romy Madly Croft und Oliver Sim ihre Liebe zu Berlin („Keine Stadt außerhalb unserer Heimat bedeutet uns so viel“). Der Bassist und Sänger gibt sogar zu, vor dem großen Lollapalooza-Publikum reichlich nervös zu sein.

Dafür hat er allerdings keinen Grund: Die robuste, viele Stärken der Band klug akzentuierende und die Schwächen größtenteils verbergende Setlist lässt eigentlich keine Wünsche offen. „Crystalised“ begeistert mit schwerelosem Groove und „I Dare You“ tritt als balladeske Schunkelversion den Beweis an, dass das Geheimnis hinter dem Erfolg der Band nicht nur die messerscharf komponierten Klänge Jamie Smith‘ sind, sondern auch die hin und her wogenden Stimmeinsätze von Madly Croft und Sim.

Pathos will gelernt sein

Geschenkt, dass das zur tiefprivaten Innenschau erhobene „Performance“ eigentlich wenig anrührt. Das gilt auch noch für manche andere Songs im Œuvre von The xx, doch dürfte es zur Zeit wenige Gruppen geben, die Aufregenderes als „On Hold“ zu bieten haben. Diese auf einem Sample eines Hall & Oates-Tracks basierende Fantasterei gehört definitiv zu den Höhepunkten des Abends. Eher peinlich ist es allerdings, als der Bassist die Menge im Musikrausch zum demokratiefähigen Vorbild für die ins Wanken geratene Weltpolitik macht. Solche Reden sollte er dann doch lieber Dave Grohl überlassen.

Geschlagen wird das komplette Programm aber spielendleicht von „Loud Places“. Natürlich müssen The xx diesen Kracher aus dem Repertoire von Jamie xx‘ Platte „In Colour“ aus dem Hüftgelenk schießen. Dafür ist sie, obwohl sei dem Sound der Band (noch!) auf so viele Weisen zuwider läuft, einfach zu gut, zu tanzbar, zu weltgewandt. Pharrell Williams muss ob dieser Präziose regelrecht eifersüchtig sein. „Angels“ beschließt schließlich ein aufregendes Jahr für die Briten und ein Festival, das mit der Verkettung der testosteronlastigen Foo Fighters und den sensiblen Klangpolierern The xx zu Schluss einen ebenso genießenswerten wie herausragenden Kontrast hinlegt.

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Britta Pedersen picture alliance / Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

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