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Jimi Hendrix People, Hell and Angels


Sony Music

🔥Heinz Rudolf Kunze über seine Liebe zu The Who und ihr Großwerk „Tommy“

Wie alle seit „First Rays of the New Rising Sun“ bis hin zur großen „West Coast Seattle Boy“-Anthologie erschienenen Jimi-Hendrix-Retrospektiven präsentiert „People, Hell & Angels“ einmal mehr „unveröffentlichtes“ Studio-Material. Allerdings muss man den Begriff hier mehr denn je cum grano salis nehmen. Archiv-Ausgrabungen, die Hendrix-Archäologen einer staunenden Fan-Gemeinde präsentieren könnten, findet man hier nicht eine einzige. Bei diesen Aufnahmen handelt es sich weit überwiegend um richtig professionell musizierte Demos – Skizzen und erste angedachte Entwürfe von Songs, die am Ende ganz andere musikalische Gestalt annehmen sollten (beispielsweise „Hey Gypsy Boy“ oder „ Earth Blues“) –, um Remixes wie im Fall „Crash Landing“, hier ohne die nachträglichen Overdubs für die gleichnamige posthume LP zu hören, um ehrgeizig angegangene Neuaufnahmen von Songs, mit deren Urfassungen (wie bei „Izabella“) Hendrix bald nicht mehr zufrieden war, auch um Alternativ-Takes und letztlich nie gänzlich realisierte Songprojekte.

Wie bei der auf „Valleys Of Neptune“ nachgereichten Studio-Einspielung von „Sunshine Of Your Love“ demonstriert Hendrix hier bei Elmore James’ „Bleeding Heart“, mit welcher Virtuosität er sich im Zweifelsfall der Vorlage geschätzter Kollegen annehmen konnte. Auch bei deftiger Funk-Kost wie „Mojo Man“ (zweite Fremdkomposition des Sets, die aus der Feder der Ghetto Fighters) brilliert er, und noch eindrucksvollere Kostproben seines meisterlichen Spiels gibt es bei der Jamsession „Easy Blues“, bei der Eddie Kramer wie immer gern die Bänder mitlaufen ließ. Hier wie auch bei „Here My Train A Comin’“ (wie fast alle 1968/69 aufgenommen) darf man darüber staunen, wie gut die analoge Technik der Zeit das auf Tonband konservierte. Ohne die von Produzent Alan Douglas nach Hendrix’ Tod jahrelang nachträglich hinzugemischten Overdubs demonstrieren die Kramer-Remixes das filigrane Spiel des Meis­ters noch hinreißender in dieser Live-im-Studio-Atmosphäre.

Was Hendrix hier präsentiert, hat in der Summe allerdings Workshop-Charakter. Bis auf zwei oder drei Aufnahmen hätte Jimi Hendrix die in dieser Form kaum zur Veröffentlichung freigegeben.


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