John Mellencamp

Plain Spoken

Republic/Universal

Folk-Rock mit keinem überflüssigen Ton, aber vielen Geschichten

Mit 63 gab’s lebenslänglich – bei Republic Records. Böse Kritiker unken: Na, seine Kettenraucherei lässt den Erwartungshorizont dieses Plattenvertrags ohnehin schrumpfen. Der gemeine Scherz würde ihm wahrscheinlich noch gefallen. Diesem ewigen „Troubled Man“, wie er sich gleich wieder einführt. „Too late came too early for me to face myself“, bekennt John Mellencamp nüchtern, nicht larmoyant. Bevor es mit „The Isolation Of Mister“ und dem Paar-Psychogramm „The Company Of Cowards“ doch noch recht bitter wird vor Erkenntnis. Wozu ein trostloses Cover passt, das noch die gerade verflossene Meg Ryan fotografierte. Er habe, sagte Mellencamp mal, schon versucht, ein besserer Mann zu werden als die anderen Männer in seiner Familie – um dann festzustellen, dass er es wohl einfach nicht ist.

Nach „No Better Than This“, dem historischen Mono-Ausflug in mythische Kirchen, Studios, Hotelzimmer des US-Südens, macht Mellencamp zurück in Indiana wieder in Normal-Stereo. Alles schlicht am Folk-Rock-Platz. Kein Ton zu viel. Hier ein Tremolo, da eine Harp, eine Al-Kooper-Orgel, Miriam Sturms Geige.

 „Plain Spoken“: Zu sagen, was sie denken, dazu fühlen sich gerade viele berufen, die nicht besonders viel nachdenken, bevor sie sagen, was angeblich mal gesagt werden muss. Mellencamp ist auf Guthries Spuren im Zweifel natürlich für all das dumme Zeugs („Freedom Of Speech“) und charakterisiert seine Protagonistin im dylanesken Schunkler „The Courtesy Of Kings“ mit einer Zeile: „She made her lies sing like a hymn“, singt er, mehr erstaunt denn böse. Tränen fließen hier – klar – vergeblich.

Doch zu guter Letzt – Potzblitz! – besingt Mellencamp sogar in Boogie-Laune diese „Lawless Times“, eher amüsiert als zornig. Sein Provinzsturkopf ist ja auch wie gemacht für gesetzlose Zeiten. Seine Empfehlung: „Learn the rules hard and fast, take care of yourself, and keep your eyes open on everybody else.“ Und zwar lebenslänglich.