Joshua Idehen
„I Know You’re Hurting, Everyone Is Hurting, Everyone Is Trying, You Have Got To Try.“
Heavenly/PIAS (VÖ: 6.3.)
Poetische und berührende House Music.
Der Titel von Joshua Idehens Debütalbum klingt wie einer dieser gut gemeinten Ratschläge, à la „Augen zu und durch“. Dabei ist der in London geborene Nigerianer eher der empathische Typ, einer, der viele persönliche Turbulenzen erlebt hat – eine Scheidung und danach mehrere Selbstmordversuche – und deshalb weiß, wovon er spricht. Etwa wenn er in „You Wanna Dance Or What?“ zu den upliftenden House-Beats seines musikalischen Partners Ludvig Parment vom plötzlichen Gefühl der Einsamkeit erzählt, mitten im Club, allein unter ausgelassen feiernden Menschen. „You all right?“, fragt ein Fremder, und schon entwickelt sich eine Poesie, die den Club als Safe Space in einer sich verdunkelnden Welt begreift. Die Zeile „We gonna go dance or what?“ hat am Ende etwas enorm Befreiendes. Geschichten dieser Art gibt es hier viele, und neu sind sie nicht, gerade in der House Music. Aber wenn sie so einfühlsam erzählt und musikalisch kongenial beschrieben werden, geht es letztlich um universelle Mitmenschlichkeit.
Das Gefühl, nicht allein zu sein mit all dem aktuellen Scheiß. Schon seit zwei Jahrzehnten schreibt Joshua Idehen exzellente Poetry. Er hatte Gastauftritte bei Bands wie Sons Of Kemet oder The Comet Is Coming, deshalb revanchiert sich Shabaka Hutchings nun mit inspirierten Flötentönen. Doch der große Durchbruch – und das Ticket für Festivalauftritte in Glastonbury und Green Man – war die genialische Single „Mum Does The Washing“, die alle Ismen dieser Welt mit dem Bild einer unermüdlich waschenden Mutter erklärt: „Feudalism: Your mum does the washing and pays you tax.“ Ein großer kluger Spaß – und eindeutig der Höhepunkt dieses Albums.
Diese Review erscheint im Rolling Stone Magazin 3/2026.