Highlight: Der King der Traurigkeit: Joy-Division-Sänger Ian Curtis

Joy Division Unknown Pleasures


Anlässlich von Anton Corbijns Ian-Curtis-Film „Control“ sind die totemähnlichen beiden Alben von Joy Division 2007 noch einmal aufgelegt worden, dazu die Nachlass-Sammlung „Stil!“. „Collector’s Edition“ heißt es diesmal. „Unknown Pleasures“ enthält zusätzlich einen Mitschnitt vom Konzert in der Factory, Manchester, vom 13. Juli 1979, „Closer“ vom Auftritt in der University Of London am 8. Februar 1980, und „Still“ (1981, ***) wurde um ein Konzert in der High Wycombe Town Hall, 20. Februar 1980, ergänzt. Für diese Dokumente gilt wie frühere Live-Mitschnitte, dass es monochrome Angelegenheiten mit stetig durchgeprügeltem Schlagzeug, scharfem Gitarrenspiel und wie aus der Wäschekammer tönendem Gesang sind. Man muss sich wahrlich auf dieses Inferno aus Angst, Entfremdung und Klaustrophobie einlassen.

Die Band empfand Martin Hannetts Produktion des Debüt-Albums als wundersame, auch schmerzliche Erfahrung. Manche erklären die unterschiedlichen Ansätze mit verschiedenen Drogen, Cannabis (Joy Division) und Heroin (Hannett). Jedenfalls betonte der Produzent laut Jon Savage (in den Liner Notes) das Schlagzeug und Curtis‘ Gesang; Peter Hook kann sich nicht daran erinnern, die anderen Instrumente bei den Aufnahmen gehört zu haben: „None of us knew how we did it.“ Die Wirkung dieser eisigen Innenschau bei Publikum und Kritik hätte nicht nachhaltiger sein können, doch die Verkäufe blieben zunächst bescheiden.

„Closer“ (1980, ****) wurde dann schon unter dem Eindruck von Curtis‘ Tod rezipiert: „Twenty Four Hours“, „Isolation“ und „A Means To An End“ sind aporetische, freudlose Stücke, „the epic, unbelievable conclusion“, wie Paul Morley im Booklet schreibt. Ein langes Interview der drei Überlebenden ist beigefügt. Heute ist diese Musik kein Schock mehr – aber in ihr erklingt eine Welt, die vollkommen aus Grau besteht.


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