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Karen Duve Macht

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Foto: Galiani Berlin

Die vor allem für ihren wundervoll lakonischen und unsentimentalen „Regenroman“ und den kaum weniger grandiosen Nachfolger, „Dies ist kein Liebeslied“, vielfach bewunderte und gepriesene Karen Duve hat in den vergangenen Jahren weniger als Erzählerin denn als Volksaufklärerin von sich reden gemacht. Mit dem Ernährungsselbstversuch „Anständig essen“ und dem Weltuntergangsessay „Warum die Sache schiefgeht“, das den schönen Untertitel „Wie Egoisten, Hohlköpfe und Psychopathen uns um die Zukunft bringen“ trägt, stellte sie ihr sprachliches Talent in den Dienst der guten Sache (und verkaufte nebenbei auch ein paar Bücher).

Sebastian Bürger, der Protagonist und Erzähler ihres neuen Romans, „Macht“, hat offenbar viele ihrer Überzeugungen geerbt, war Greenpeace-Aktivist und lebte vegetarisch – zumindest bis klar wurde, dass die Erde nicht mehr zu retten ist und die Menschheit in wenigen Jahren der Klimakatastrophe zum Opfer fallen wird. Zur Zeit der Handlung, im Jahr 2031, ist er zwar immer noch Pressereferent des Demokratiekomitees und scheint die feministische Regierung unter Bundeskanzler Olaf Scholz zu unterstützen, doch er hat ein dunkles Geheimnis: Seit zwei Jahren hält er seine Exfrau, Christine, einst Ministerin für Umwelt, Naturschutz, Kraftwerkstilllegung und Atommüllentsorgung, im Keller gefangen, um seine vom Staatsfeminismus unterdrückte Männlichkeit auszuleben. Die gemeinsamen Kinder betreut die nichtsahnende Schwiegermutter. Bei einem Klassentreffen trifft der 70-Jährige, der sich durch das verjüngende, aber angeblich krebserregende Wundermittel Ephebos auf dem körperlichen Stand eines Enddreißigers hält, seine große Schulliebe Elli, die sich seit damals kaum verändert hat, und hofft, die letzten Tage der Menschheit glücklich mit ihr verleben zu können.

„Macht“ ist eine spannende, beklemmende, zugleich unglaublich komische Dystopie, in der sich die großen Probleme unserer Zeit, vom Klimawandel über Flüchtlingsströme bis zum religiösen Fanatismus, spiegeln. Der erhobene Zeigefinger, den man anfangs in Duves Erzählhaltung zu erkennen glaubt, scheint bei näherer Betrachtung doch eher ein Mittelfinger zu sein. (Galiani, 21,99 Euro) 

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