Kasabian Velociraptor!


Sony

Weil nach dem Ende von Oasis der Job der größten Großmäuler des Britpop frei geworden ist, verkünden Kasabian, mit „Velociraptor!“ einen modernen Klassiker geschaffen zu haben, wie es seit 15, 16 Jahren keinen mehr gab. Und das würde vielleicht sogar stimmen, wenn alle Songs so gut wären wie das selbstreferenzielle Kunststück „La Fee Verte“. Ein chromatisch absteigendes Mellotron-Flirren gibt ein surreales Setting vor, in das sich nach und nach eine schrammelnde Akustikgitarre, ein schlurfender Beat und Tom Meighan einmischen: „I see Lucy in the sky/ Telling me I’m high“, singt er erst, und später: „There’s a policeman in my bed/ Telling me I’m dead.“ Ein Song wie ein knallbunter LSD-Trip, eine melodieselige Hommage an „Sgt. Pepper’s“.

Auch wenn nicht alle Songs mit dieser kunstvoll verschnörkelten Nummer mithalten können, ist „Velociraptor!“ doch das bisher beste Kasabian-Album – eines, das sich seine Inspirationen überall herholt, meist psychedelisch grundiert, immer verdächtig nah am großen Popsong. Zum Beispiel in „Goodbye Kiss“, einer Singalong-Affäre, die die Radiosender wahrscheinlich bald rauf und runter spielen werden, die aber hier der harmloseste Song ist. Wilder geriert sich der Titelsong mit seinem angezerrten Groove und einer mäandernden Gitarrenmelodie. „Let’s Roll Just Like We Used To” könnte einen Horror-Trashklassiker aus den Sixties untermalen, „Man Of Simple Pleasures“ einen Tarantino-Western.

„Days Are Forgotten“ zaubert einen funky Groove und einen schrillen Backgroundchor hervor. Kasabian versuchen sich in „Acid Turkish Bath (Shelter From The Storm)“ mal am Orientalischen, mal probieren sie in „Re-Wired“ Disco aus, entdecken in „Neon Neon“ Vangelis neu oder verkaufen in „I Hear Voices“ zum Synthiepop ihre Seele: „My soul you can have it, ’cause it don’t mean shit/ I sell it to the devil for another hit.“ Eine teuflisch gute Platte also.  

Beste Songs: „La Fee Verte“, „Let’s Roll Like We Used To”


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