Kneecap

„Fenian“

Heavenly/PIAS (VÖ: 1.5.)

Die streitbaren Iren mit Bulldozer-Punk-HipHop.

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Irische Rüpel mit großer Schnauze und noch größerem Engagement pro Palästina: Kneecap waren 2025 eine der meistdiskutierten Bands. Angefangen hat es auf dem Coachella Festival, wo das Trio Israels Krieg im Gazastreifen lautstark als Völkermord anprangerte. In den USA wurden ihnen daraufhin die Künstlervisa entzogen, in Deutschland alle geplanten Festival- und Konzertauftritte abgesagt, als wäre Solidarität mit Palästina ein Verbrechen. Im Mai 2025 folgte in England die Anzeige wegen eines „Terrorvergehens“.

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Der Rapper Mo Chara soll im Londoner O2 Forum eine Hisbollah-Fahne geschwenkt haben, das zuständige Gericht erklärte die Anklage später für rechtswidrig und nichtig. Die Medien schäumten trotzdem, was Kneecap aber nicht davon abhielt, im Januar mit der Single „Liars Tale“ nachzulegen: „Fuck Keir Starmer, Netanyahu’s bitch in genocide armour.“ Der Ton für „Fenian“ war gesetzt. Die Texte sind zur Hälfte auf Gälisch und dabei sehr proirisch, pro-palästinensisch und anti-britisch. Die im Albumtitel anklingenden Fenians waren eine revolutionäre republikanische Bewegung, die für die Unabhängigkeit Irlands kämpfte. Die Musik alter Folk-Helden wie Christy Moore oder The Wolf Tones interessiert Kneecap weniger als deren Texte.

„Fenian“ ist eine Mischung aus HipHop, Punk und den Techno-Derivaten der Neunziger, mit der Kraft eines Bulldozers. „Carnival“ rollt allerdings eher wie ein gut geölter Streitwagen in die Arena: „History will remember you pieces of shit and you’ll never be forgiven“, wehrt sich Mo Chara gegen die Anklagen des letzten Jahres. Das dunkel rockende „Cocaine“ zeigt, dass sich die Band nicht nur für Politik interessiert. Musikalisch zwischen House Of Pain und Prodigy, textlich wutschnaubend direkt – doch man weiß auch, warum.