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Freiwillige Filmkontrolle


Lake Street Dive Bad Self Portraits


Signature Sounds/Cargo


von

Der Kontrabass ist in der Popmusik mehr als nur ein Instrument. Er ist ein Statement, das entweder auf die fingerfertige Virtuosität wie im Jazz oder den ruppigen Slap des Rockabilly verweist. Mit der sperrigen Kiste wird signalisiert: Hier kommt handgemachte, traditionelle Spielfreude, die erarbeitet werden will. Das Bostoner Quartett hat mit Bridget Kearney gar eine Standbassistin – was noch einen Tick cooler ist, vom Ensemble her. Gitarrist und Trompeter Mike Olson hat seine „Bar Band“ besetzt wie ein Regisseur. Er holte Trommler Mike Calabrese aus Philadelphia und Sängerin Rachael Price aus Nashville, die ihre Rolle als stimmlich trainierte Southern Belle perfekt ausfüllt. Ein Indie-Projekt, das nun mit dem dritten Album zu den Frühlingswundern aus Amerika gehört.

Nach ihrem charmanten selbst gestrickten Video zum Jackson-5-Hit

„I Want You Back“ war die US-Tour im März komplett ausverkauft. Kaum eine amtliche Late-Night-TV-Show wollte auf ihren Gastauftritt verzichten. Der omnipräsente T Bone Burnett holte sie zur Revue des Coen-Brothers-Films „Inside Llewyn Davis“, wo die prominenten Bühnenkollegen zwischen Blues, Soul und Americana auch gleich das Spektrum von LSD absteckten. Im Titelsong, „Bad Self Portraits“, steigt Rachael Price ein wie die junge Carole King. Singen kann sie, kein Zweifel. Auch den Girl-Group-Chorus beherrschen die Damen im Duett, während die Männer zu „Stop Your Crying“ Doo-Wop-Phrasierungen beisteuern. Zum beatlastigen „Bobby Tanqueray“ gibt es verrückte Sixties-Soundeffekte, „You Go Down Smooth“ ist ein Fleetwood-Mac-Blues mit Trompeten-Einsprengseln, und der Rausschmeißer, „Rental Love“, kommt als bittersüße Piano-Gitarren-Ballade daher.

Das Singer/Songwriter-Kollektiv versteht sich auf versierte Arrangements, ohne dabei, wie es bei studierten Musikern oft genug geschieht, in der Überkorrektheitsfalle zu landen. Rachael Price ist Amy Winehouse in clean und untätowiert, LSD sind zurzeit die Klassenbesten in der Retro-Schule. Mit einer Dynamik, die sie noch weit bringen wird.


Klischeebrecher: Pop-Quartett Pudeldame legt ein Debütalbum voll feiner Ironie vor

Kaum eine Hunderasse ist frei von Klischees. Golden Retriever werden von kleinbürgerlichen Wohlstandsfamilien gekauft, Französische Bulldoggen von fashionbewussten Großstädtern und Pudel von der älteren Dame, die diesen Inbegriff von Hunde-Eleganz täglich an der Leine führt. Vielleicht ist es sogar die Dame, die sich an tobenden Nachbarskindern stört. Dass sich nun ausgerechnet vier junge Musiker unter dem Bandnamen Pudeldame vereinen und irgendwo zwischen melodisch fesselndem Indie-Rock und tanzbarem Jazz-Pop provokante Songtexte singen, Zeilen wie „Ihr Gesicht – lieber nicht. Zeig mal Popo“, verrät schon, welches Konzept hier gilt: Das Klischee als Spielball. Pudeldame sind Schauspieler und Sänger Jonas Nay, Schlagzeuger Jon…
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