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Laura Gibson Empire Builder

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Zugfahren ist in Amerika fast so exotisch wie Zufuß­gehen. Wer es tut, wird komisch angesehen, aber manche Leute machen es trotzdem. Der „Empire Builder“ bringt zum Beispiel Menschen von Portland nach Chicago. Laura Gibson stieg dort im Herbst 2014 noch nicht aus, es zog sie nach New York, wo sie kreatives Schreiben studieren wollte. Man fragt sich zwar, warum das nötig war, denn dass sie das kann, hat doch spätestens der Folkpop auf ihrem dritten Album, „La Grande“ (2012), bewiesen. Aber es gehört zu ihrem Wesen, dass sie immer mehr will. Also raus aus der gemütlichen Künstlerkommune, rein in ein neues Leben. Sie fühlte sich wohl dort, bis ihr Haus explodierte. Gibson war zum Glück gerade nicht in ihrem Apartment, als ein Gasleck den kompletten Wohnkomplex zerlegte und zwei Menschen tötete, aber alles war weg: Instrumente, Songideen, Erinnerungen. „You must change your life“, einen Satz von Rainer Maria Rilke, hat sie nun als Motto über „Empire Builder“ gestellt, das fast trotzig das Leben feiert, wenn es nicht gerade, wie bei „Louis“, in Melancholie verfällt.

In „Damn Sure“ beschreibt sie eine Liebe, die nicht ewig hält, es aber trotzdem verdammt wert war: „We covered our bodies in the mud and moss/ Drunk on the rhythm of a cricket song/ We were damn sure about it.“ Ein Leben ohne Garantien, Gefühle ohne Bedingungen:
Dar­um geht es nicht selten bei Laura Gibson, und dazu passt, dass ihre Stimme zwar liebenswert zart ist, jedoch ohne die Kleinmädchen­haftigkeit, die oft nervt bei Frauen, die längst erwachsen sind. Hysterie kennt sie auch nicht, nur Entschlossenheit. Sie bezeichnet sich selbst als „Not Harmless“ und lässt sich ihre Freiheit nicht nehmen, nicht mal von freundlich gesinnten Männern: „You can pull me aside, hold me like a wounded bird/ But I am no prize, I am not harmless.“ Dass sie Leichtfüßiges genauso gut kann, zeigt das Pedal-Steel-verzierte „Two Kids“, das sich gegen die Zwangsläufigkeit des Daseins stemmt. Wenn wir jung sterben müssen, dann wenigstens mit einem Liebeslied auf den Lippen, „and maybe someday we’re gonna trade/ Our freedom for a better home/ For a house and a yard, and a son and a daughter/ And a steady job, but not today.“ Und vielleicht nie, egal.

Gibson schreibt ihre Lieder immer noch allein, bloß im Studio erlaubte sie sich ein bisschen Hilfe, unter anderem von Decemberists-Bassist Nate Query und Sängerin Alela Diane. Die Streicher, besonders schön beim Aufbruchdrama „Five And Thirty“ zu hören, arrangierte ihr Peter Broderick. Sie schwellen auch beim Schlusssong, „The Last One“, wunderbar auf und ab, bis Laura Gibson nur noch ein Wort singt, immer und immer wieder – das entscheidende Wort für eine Frau, die niemals stillstehen will: „Go!“

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