Laura Veirs: Tumble Bee (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Laura Veirs Tumble Bee


Bella Union/Cooperative VÖ: 18. November 2011


von

Wer bei Kinderliedern nur an Rolf Zuckowski und Dieter Süverkrüp denkt, wurde vermutlich schief gewickelt. Welch reiche Tradition sich diesbezüglich etwa im Folk amerikanischer Prägung entdecken lässt, davon legt „Tumble Bee“ von Laura Veirs beredtes Zeugnis ab. Das mit ihrem Ehemann und Produzenten Tucker Martine in Portland aufgenommene Album, inspiriert durch die Geburt ihres Sohnes Tennessee, präsentiert 13 kurzweilige, zumeist countryeske Neuinterpretationen von kindgerechten Folksongs, die in ihren Ursprüngen bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts zurückreichen.

Alberner Kinderkram ist das allerdings nicht. Mit herzerwärmenden Traditionals wie „Little Lap Dog Lullaby“ oder „All The Pretty Little Horses”, mit Woody Guthries verschmitztem „Why Oh Why” und alterslosen Balladen von Harry Belafonte oder Jimmy Driftwood im Ohr können auch erwachsene Hörer einen frostigen Winternachmittag gemütlich im Bett verbringen. Veirs nutzt die vielseitige Instrumentierung der Platte (Banjo, Pedal-Steel-Gitarre, Kontrabass, Piano, Schifferklavier, Fiedel etc.) ausschließlich dazu, sich den Originalen mit dem nötigen Respekt zu nähern. Behutsam bringt sie das althergebrachte Liedgut auf den neuesten Stand, ohne je originalitätssüchtig oder überambitioniert zu wirken.

Prominente Unterstützung erhält die Sängerin unter anderem von Decemberists-Vordenker Colin Meloy und Carl Broemel von My Morning Jacket. Wer die musikalische Früherziehung seinerzeit verpennt hat, bekommt mit „Tumble Bee“ die Gelegenheit, deren schönste Lektionen auf angenehmste Weise nachzuholen.


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