Lenny Kravitz: Let Love Rule (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Lenny Kravitz Let Love Rule



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Im Herbst des Jahres 1989 geschah es das eine Mal, dass der Traum aller Waschzettelschreiber, Plattenfirmenschwätzer und Marketingschwengel wahr wurde: Auf die Bühne trat der 25-jährige Lenny Kravitz, ein Multikulti-Weltenkind aus New York, ausgebildet im Kirchenchor, firm an allen Instrumenten, geschult an Otis Redding, Jimi Hendrix und Sly Stone, vor allem aber auch an John Lennon. Und süß, so süß mit Rastalöckchen, Ballonmütze und lasziven, lässigen Bewegungen.

Kravitz war die eierlegende Wollmilchsau- und doch dauerte es etwa ein halbes Jahr, bis „Let Love Rule“ die ersten Erfolge verbuchte. Die Kritiker schrieben zwar mit Respekt, aber sie liebten den Knaben nicht- doch schnell wuchs der Ruf des Lenny Kravitz, auch auf der Bühne eine Sensation zu sein.

Das Hippie-Blumenkind, das so ergreifend „I Build This Garden For Us“ und „Rosemary“ schmachtete, bei „Sittin‘ On Top Of The World“ so sympathisch schief krähte und bei „Mr. Cab Driver“ rechtschaffen Klage führte über politisch unkorrekte Chauffeure- es verwandelte sich bei „Let Love Rule“ schon in jenen sich anbiedernden, aber noch nicht schnöseligen Volksbeglücker, der mit der nächsten Platte, „Mama Said“, zu seiner festen Identität wurde.

Aber täuschen wir uns nicht: Der spätere Sonnenbrillen-Schweinerock-Gott hatte tolle Songs auf seiner Seite- leider wurden für die „20th Anniversary Edition“ einige (wenn auch nicht schlechte!) Stücke in das ursprüngliche Album integriert. Auch einige Demos und eine überdrehte Fassung von „Cold Turkey“ wurden ergänzt.

Eine CD mit Aufnahmen aus dem Paradise, Boston, und dem Paradiso, Amsterdam, enthält weitere zwölf Stücke- darunter 11 Minuten „Let Love Rule“, 7 Minuten „Rosemary“, 14 Minuten „Fear“. So viel Genie war schließlich erschöpfend. Und Lenny Kravitz begann zu glauben, er sei Gottes Geschenk an die Frauen- sehr zu Recht, wahrscheinlich.


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