Liam Blake You And Other Stories


Helium/Cooperative


von

Wäre Liam Blake schon am Leben gewesen, hätte er die 70er-Jahre im Laurel Canyon verbracht und mit CS&N gesungen – so liest man in den offiziellen Texten. Doch er wäre dort wohl nicht aufgenommen worden; so gefällig ist sein neues Album, dass als Wohnort eher Downtown L.A. und als Gesellschaft die Eagles infrage gekommen wären.

Blake hätte sich dort wohlgefühlt. „You And Other Stories“ ist das süßlichste Songwriter-Album der Saison, sein Schöpfer ein Romantiker und Pop-Aficionado. Mit zartem Tenor singt Blake Elegien auf zerbrochene Lieben, die man sich im amerikanischen Mainstream-Radio der frühen Siebziger genauso gut vorstellen kann wie in der britischen Chart-Show der Gegenwart. Manche Lieder summen so popverliebt, dass Blake (übrigens ein Brite) klingt wie Gary Barlow mit Cowboy-Hut („Heart And Soul“, „Simon“). Anderswo stehen tatsächlich die Eagles Pate, etwa bei dem zarten Westcoast-Schunkler „Gypsy Fireflies“. Doch auch die Vorliebe für den weichen Pop und die cremigen Slide-Gitarren von George Harrison und Jeff Lynne ist manchem Lied anzuhören.

Etwas standardmäßig wirkt das alles, aber nicht grundverkehrt – Blake ist ein guter Handwerker, seine ungenierte Weichheit kein Unvermögen, sondern ein konsequent entwickeltes USP. Auf dass der Markt es erkenne.

Beste Songs: „For Your Sake“, „Gypsy Fireflies“