Liam Gallagher As You Were

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Foto: Warner

Nein, er hat keine Kaffeesahne-Portionsbecher, die beim Öffnen nicht spritzen, erfunden! Liam Gallagher hat es gar nicht erst versucht. Als der Ex-Oasis-Sänger im Juni seinen ersten Alleingang, „Wall Of Glass“, in die Welt schickte, hörte man genau das, was man erwartet hatte: sägende Gitarren, treibende Drums, Blues-Mundharmonika, einen lässig dahingenölten Refrain. Nicht mehr. Nichts, was man als larger than life hätte betrachten dürfen. Aber auch nicht weniger! Und „Wall Of Glass“ begann mit einem Riff, das exakt so klang, als müsste es das erste Soloalbum von Liam eröffnen. So kam es.

„Wall Of Glass“ bildet einen von drei Pfeilern von „As You Were“. „Bold“, das erste Stück, das Liam hierfür schrieb, beamt uns, mit Beatles-Psychedelia angereichert, zurück in die Britpop-Tage der Neunziger. „For What It’s Worth“, Höhepunkt und dritte Säule des Albums, schickt uns noch weiter in die Vergangenheit: Hallo, „Weißes Album“! Glaubt man, Jeff Lynne hätte seine Finger mit im Spiel, so ist der Track stattdessen das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit Simon Aldred. Der Mann, der Cherry Ghost verkörperte, weiß, wie man Hits schreibt, die sich gar als „The Voice Of Germany“-kompatibel erweisen, sang doch Birdy dort sein „Peo-ple Help The People“. Liam G., der sich nicht für Bob Dylan hält, hat sich für „As You Were“ auf diverse Mitkomponisten eingelassen, wie auf Überproducer Greg Kurstin und Miike-Snow-Sänger Andrew Wyatt. Beziehungsweise diese verstanden sich selbstredend auf das Malen nach Zahlen.

Droht der eine oder andere Track in den Soundbrei der späten Oasis-Werke abzudriften, lohnt es sich, auf den Refrain zu warten – das Album kommt tatsächlich ganz ohne „Stinker“ aus. Die Produzenten Kurstin und Dan Grech-Marguerat schnürten ihm ein sehr kompaktes Päckchen – kein Song dauert wesentlich länger als vier Minuten. Andere Familienmitglieder neigen da eher zum Ausufern …

„As You Were“ ist alles andere als Kundentäuschung. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. (Warner)

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