London Grammar

If You Wait

Universal

Minimalistische, feinfühlige Popsongs aus England

Gerade mal ein Jahr nachdem das Nottinghamer Trio seinen ersten Song veröffentlicht hat, liefern London Grammar ein Debüt ab, das sich wie ein guter Wollpullover anfühlt: warm und schick, aber nicht kratzig.

Enormer Internet-Hype und ein Track auf Disclosures erfolgreichem Album „Settle“ haben den blutjungen Indie-Poppern verdienten Rückenwind gegeben. Ihren Minimalismus teilen London Grammar mit den Altersgenossen von The xx, ihre spezifische Feinfühligkeit kommt jedoch noch überzeugender. Sie spielen lieber eine Note weniger und halten die Akkorde etwas länger. Damit schaffen sie eine Intimität, die sie direkt aus den Kopfhörern ins eigene Wohnzimmer holt. Als so junge Band verlangt das Mut: Wenn der Technik nicht die Aufmerksamkeit geschenkt wird, muss das Gefühl stimmen, und das unterstreichen sie mit jeder Strophe.

Dan Rothman zupft abgedämpft an seiner verhallten Gitarre, Rhythmusschnipsel kommen aus dem Drumcomputer, und Hannah Reid erhebt  tief und ruhig ihre wunderbare Stimme. Im Laufe des Albums reizt die Sängerin ihren beeindruckenden Ton­umfang aus und platziert sich so im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Die Songs sind in Struktur und Sound ähnlich gestrickt und verlaufen schön ineinander. Wenn man sich erst mal in Reids Stimme verliebt hat – und dazu kommt es fast unweigerlich –, will man gar nicht mehr aufhören, ihren Liebesmetaphern zu lauschen.