Low The Invisible Way 


SubPop/Cargo

Jedes Mal, wenn ein neues Low-Album angekündigt wird, glaubt man bereits im Voraus zu wissen, wie das klingt. Minimalistische Zeitlupensongs mit melancholischen Texten und Harmonien des Mormonenehepaares Mimi Parker und Alan Sparhawk. Stimmt auch immer, und doch ist jedes Mal alles anders. „The Great Destroyer“ von 2005 war für Low-Verhältnisse ziemlich bunter Indie-Pop, das nachfolgende „Drums & Guns“ eine Reise ans Ende der Nacht, das letzte mit dem Avril-Lavigne-/Katy-Perry-Produzenten aufgenommene „ C’mon“ so eine Art Slow-Core-R&B. Wer sich langsam durch die Welt bewegt, hat mehr Zeit für Details.

„The Invisible Way“ haben Low im Wilco-Hauptquartier, dem sogenannten Loft im Norden Chicagos, aufgenommen. Der Hausherr Jeff Tweedy hatte sie dorthin eingeladen, um ihnen einige Tracks vorzuspielen, die er mit der Soulsängerin Mavis Staples aufgenommen hatte. Das überzeugte Parker, Sparhawk und ihren Bassisten Steve Garrington anscheinend so sehr, dass sie sich den Wilco-Chef auch gleich als Mitarbeiter sicherten. Tweedy scheint den Gospel von Mavis Staples noch im Ohr gehabt zu haben, als er mit der Produktion von „The Invisible Way“ begann. Das Klavier und die Stimme von Mimi Parker, die gleich bei fünf Stücken den Leadgesang übernimmt, geben den Liedern eine erhebend kirchenliedhafte Aura, zudem ist viel Raum für Nachhall von Kathedralenwänden in diesen minimalistisch arrangierten Liedern. In den Texten verbindet sich das Profane mit der Ewigkeit. „Plastic Cup“ etwa erzählt von rauschhaften Höhenflügen und anschließendem Drogentest mittels Urinprobe im Plastikbecher („The cup will probably be here long after we’re gone – what’s wrong/ They’ll probably dig it out a thousand years from now“). In einem fantastisch rätselhaften Stück singt Parker vom Heiligen Geist, im weltumarmenden „Just Make It Stop“ tut sich in der dunkelsten Stunde der Himmel auf. Das beste und komplexeste, mit Wilco-eskem Arrangement versehene Stück des Albums ist dem verstorbenen Byrds-Gitarristen Clarence White gewidmet. „I know I shouldn’t be afraid“, singt Sparhawk hier und imaginiert sich als mormonischer Outlaw und Revolverheld Porter Rockwell (Beiname „the Destroying Angel of Mormondom“), den er aus dem Film „The Avenging Angel“ mit Charlton Heston (und James Coburn) kennt.

Es braucht Zeit, um all die Geheimnisse zu ergründen und die langsam aufdämmernde Magie und Grandezza des Albums zu erkennen. Doch dann lässt einen dieser weltliche Gospel nicht mehr los. Auf „ The Invisible Way“ klingen Low, wie man sie sich schon immer erträumt hat.


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