Lucinda Williams
„World’s Gone Wrong“
Highway 20/Thirty Tigers (VÖ: 23.1.)
Mediokre Mahnungen der Americana-Meisterin.
Sollte „World’s Gone Wrong“ – Gott bewahre! – Lucinda Williams’ letztes Album sein, wäre es ihr dringlichstes, politischstes. Eine Platte der letzten Worte und einfachen Wahrheiten. Das kann ganz erhebend sein oder ganz schön banal. Und genau zwischen diesen beiden Polen bewegt sich der zehn Stücke umspannende Reigen. Im Titelsong rollt die große Songschreiberin noch einmal eine ihrer Erzählungen aus, in denen das Glück zweier Menschen von den Härten des Alltags aufgefressen wird. Die Welt ist kaputt, die Liebe verkorkst, aber immerhin singt noch jemand über diese untröstlichen Seelen. Ist das nicht Trost genug? Und es wird noch besser.
Vielleicht sollten wir zuhören
„Something’s Gotta Give“ spannt die Gitarren. Ein Blues-Riff – löchrig, ledrig, tausendmal gebraucht – kommt zur lakonischen Bestandsaufnahme gen Ende mächtig in Schwung. Die Erkenntnis hier lautet: Es kann befreiend sein, sich einzugestehen, wie beschissen es gerade ist, nur muss sich einiges ändern! Bis es so weit ist, hilft staubtrockene Rockmusik gegen Selbstmitleid. Mit „How Much Did You Get For Your Soul“ betritt Williams den Pfad, auf den sich bereits ein paar Songs von „Stories From A Rock N Roll Heart“ (2023) verirrt hatten und der leider von Phrasen gesäumt ist. Bob Marleys „So Much Trouble In The World“ im Duett mit Mavis Staples (die Williams natürlich die Schau stiehlt) bietet einen hübschen stilistischen Ausreißer, kommt aber nicht über die Schlichtheit seiner Botschaft hinaus.
„Sing Unburied Sing“ klingt wie ein Spätwerk Neil Youngs, wenn dem noch ein brauchbarer Chorus einfallen würde. Das salbungsvolle „We’ve Come Too Far To Turn Around“ gehört sicher nicht zu ihren besten Balladen, doch am Ende rührt einen Williams’ tiefe Besorgnis. Vielleicht sollten wir zuhören.
Diese Review erscheint im Rolling Stone Magazin 2/2026.