Manic Street Preachers
„Critical Thinking“
Sony (VÖ: 31.1.)
Die Waliser haben wieder den Pathos-Rock gepachtet.

Die Manic Street Preachers bereiten sich mit „Decline & Fall“ auf die nächste Staffel des „ZDF-Fernsehgartens“ vor. Oder ist es Zufall, dass der Song so klingt wie eine Springsteen-Version von „Ein Stern (… der deinen Namen trägt)“? Pop-Schweine, die sich gern in köstlich simplen Melodien suhlen – vollstes Verständnis an dieser Stelle! –, kommen hier jedenfalls ganz auf ihre Kosten. Allerdings tunkt der Text die Heile-Welt-Fassade in Kadaverschwarz. „Society used to be my worst enemy/ Now I want to build a small one for you and me“, singt James Dean Bradfield. Und es ist schön, ihm und seiner Band dabei zuzuhören, wie sie sich noch einmal inbrünstig gegen den zivilisatorischen Backlash stemmen.
Es gibt die linksintellektuellen Alternative-Rock-Manics und die linksintellektuellen Überlasst-den-Mainstream-nicht-den-Spacken-Manics. Letztere Version haben sie seit „Postcards From A Young Man“ (2010) nicht mehr so überzeugend gespielt. Unter der glatten Oberfläche lauern wieder mal die Tiefen des politisch grundierten Liebeslieds, etwa in dem von Nicky Wire gesungenen „Hiding In Plain Sight“.
Diese Review erschien im Rolling Stone Magazin 2/25.