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Marvin Gaye I Want You

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“Soon, soon, soon I’ll be loving you, oh Janis”, singt Marvin Gaye, natürlich über die Liebe, und dann singt er über Sex, “Feel All My Love Inside”, aber er singt auch über die Konsequenzen: “Come Live With Me, Angel”. Gaye, 37, war in seine Janis Hunter verliebt, alle sollten es wissen, und er wollte raus aus seiner Ehe mit Anne Gordy, die Scheidung war bereits eingeleitet.

Als “I Want You” vor 40 Jahren erschien, waren die meisten Kritiker enttäuscht. Sie liebten “den politischen Gaye” von “What’s Going On” (1971), sie wollten auch den “Gaye fürs Schlafzimmer” aus “Let’s Get It On” (1972). Denn der Schlafzimmer-Philosoph sang ja für sie (glaubten sie damals noch). Gayes Song-Material, so das Kalkül, ließ sich für den Eigengebrauch verwenden, der Mann arbeitete quasi für uns.

Disco wartete bereits

“I Want You” war den Leuten aber zu intim, Hörer fühlten sich unfreiwillig wie Voyeure, war ihnen zu hoch gesungen, inhaltlich angeblich sogar zu flach. Marvin Gaye konzentrierte sich ganz auf seine Geliebte, ihr Name fiel immer wieder, und die Fans wollten nicht Teil dieses Kosmos sein. Das war wohl die Kehrseite des Quiet Storm, jener irreleitend bezeichneten Musikrichtung der Siebziger, die große Gefühle in gedimmtem Soul präsentieren zu glaubte. Gaye ging eben so weit an die Grenzen des “Quiet”, wie nur möglich. Nun warf man ihm auch noch vor, zu alt zu sein, zu altmodisch. Das Tempo in der Musikwelt sei ja, ein halbes Jahr vor dem Durchbruch von Disco, längst erhöht. Sexualität funktionierte jetzt vor allem über Antanzen im Club.

40 Jahre später sind Fragen danach, welcher Stil in den Siebzigern den anderen abgelöst hatte, für die Bewertung der jeweiligen Platte eher uninteressant. Es zählt das Material. Mit “I Want You” sollte Marvin Gaye noch ein letztes Mal zu Großform auflaufen. Die Arrangements, die er und sein Produzent und Songschreiber Leon Ware sich zurechtlegten, waren komplexer denn je. Der Titeltrack, und zum Glück war er langsam, eröffnete mit einer nie zuvor gehörten Fusion aus Congas, Bongos und Streichern. Mit “I Wanna Be Where You Are” kassierte er die 1972er Vor-Version von Michael Jackson umgehend ein. Den Gipfel aber erklomm der Sänger mit “After The Dance”, er liebte inzwischen die elektronischen Tasteninstrumente, und das Synthesizer-Solo, von Gaye selbst gespielt, klingt so, als würde ein  Spacebird im Dschungel landen; es jubiliert, klingelt und jauchzt aus jeder Ecke des Songs, wo einzelne Melodien hinter Palmenblättern hervorlugen. Die Instrumental-Version mit dem herausgestellten Synthi ist sogar noch schöner.

Ähnliches gilt für “You Are The Way You Are”, in dem Gaye komplett auf Worte verzichtet, sondern einfach die Melodie seines Instruments mitsingt. Das war Romantic Funk, der eine perfekte Verbindung herstellte aus Motown und eben jener Disco-Musik, die im zweiten Abschnitt der Siebziger groß werden würde. Wer aus diesen Oden an Janis Hunter nichts für sich selbst herausziehen, die Lieder mit eigener Bedeutung füllen kann, ist selbst schuld.

Alimente zahlen!

Fast wäre uns “I Want You” vorenthalten geblieben, zumindest das Album von Marvin Gaye. Leon Ware hatte die Songs eigentlich für T-Boy Ross komponiert. Der Intervention von Motown-Boss Berry Gordy ist es zu verdanken, dass die Songs an Gaye weitergereicht wurden. Der hing seit zwei Jahren in der Luft. Hier fand er eine neue Aufgabe. Einen interessanten Vergleich bietet Wares kurze Zeit später veröffentlichte Platte “Musical Massage”, welche auch Versionen der “I Want You”-Lieder enthält, die aber von Gayes Aufnahmen kaum abweichen. Warum hätte er auch die Produktion großartig variieren sollen? Die Songs klangen vollendet.

Auch Marvin Gaye machte weiter. Und mit den Erlösen aus “Here My Dear”, zwei Jahre später, hatte er dann seine Alimente auszuzahlen, Ex-Frau Anna wartete.

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