Miles Davis Kind Of Blue


Columbia


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Man kann Geschichten über diese Platte erzählen, die länger sind als das Album selbst. Von dem Sextett ist zu berichten, das Miles Davis umbesetzen musste und in dem sich der Pianist Bill Evans als einziger Weißer zu behaupten hatte.

Evans war kaum ein Jahr mit der Gruppe auf Tournee, da wurde er von Davis‘ Sottisen und der Skepsis der Saxofon-Solisten John Coltrane und Julian „Cannonball“ Adderley, aber auch der Rhythmus-Abteilung zermürbt. Für „Kind Of Blue“ kam er Anfang 1959 noch einmal ins Studio und förderte die elegische, modale Spielweise.

Die Kollegen fanden: Der Weiße kann nicht loslegen. Und sensibel war Evans auch noch. Aber ohne ihn gäbe es den einzigartigen Ton der Platte nicht (Wynton Kelly spielte nur bei einem Stück), und auch seine Beteiligung an den Songs (wiewohl von Davis oft bestritten) war erheblich.

Ferner ist zu erzählen von Davis selbst, der dem Heroin entsagt hatte und mit „Miles Ahead“ und „Milestones“ auf der Höhe seiner Kunst war. Die Band war immerzu auf Tournee, um Geld zu verdienen, und der Schlagzeuger Jimmy Cobb kam hinzu, nachdem der etatmäßige Trommler mal wieder gefeuert worden war: Drogen, Schulden, Polizei. Miles hatte von „iesem modalen Ding“ gehört und ermunterte Coltrane und Cannonball zu unhektischen Improvisationen.

Ein Rest Unerklärliches bleibt immer, denn die sechs Musiker brauchten nur zwei Sessions, um diese fünf Stücke aufzunehmen. Sogar die paar Worte zwischen den Takes sind dokumentiert, dazu gibt es die Fotos von Don Hunstein. Miles bemühte sich um die „mittlere Lage“ beispielhaft in „So What“, den reinen Ton. Dabei ist die Platte ein Kompendium aus Idiomen wie Blues und Flamenco und Ballade, die hier ineinanderfließen. „Komponiert“ wurde nichts, allenfalls knapp notiert oder angesagt.

Im Jahr 2009 ist das 50. Jubiläum des berühmtesten und erfolgreichsten Album des Jazz. In „Runaway Bride“ schenkt Julia Roberts dem Journalisten Richard Gere die Platte, als besäße er sie nicht schon. Schließlich turteln sie über den Dächern des nächtlichen New York. Miles Davis hätte es gehasst.

Drei Fotos des Trompeters im Studio sind auf einem beiliegenden Plakat abgebildet; ein großformatiger Band versammelt Essays und Fotos. Dem blauen Vinyl mit einer Replik der Plattenhülle sind zwei CDs (auf der zweiten eine viertelstündige Live-Aufnahme von „So What“) und eine DVD-Dokumentation beigeordnet. Apotheose in Blau. (Columbia/Sony)


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