Neue Podcast-Folge: „Die Streifenpolizei“ über die Favoriten der Oscar-Verleihung

Moritz Krämer Ich hab’ einen Vertrag unterschrieben


Moritz Krämer hat das Komplikationen-­Kaleidoskop der verbindlichen Unterzeichnung vertont. „Ich hab’ einen Vertrag unterschrieben 1 & 2“ ist jedoch weitaus mehr als ein dramaturgisch cleveres Konzept­album über juristische Kon­strukte und ihren emotionalen Orbit. Hinter den episodisch erzählten, raffiniert ineinandergreifenden Geschichten offen­bart sich eine universelle Ebene: Es geht im Leben wie bei Verträgen schließlich immer um Erfüllung oder Nicht­erfüllung, um das Kleingedruckte, Optionen, Zweifel und Hintertürchen („Um raus zu sein“).

Viel mehr noch als im Doppelalbum-Umfang (zwei Teile à 8 Songs) liegt die Größe dieser Lieder zwischen den Zeilen – und in Krämers Talent, aus einfachen, unprätentiösen Worten prägnante, berührende Lyrik zu destillieren. Sein charmant lädiert klingender Gesang fusioniert mit der Musik wie ein erlösender Handschlag nach langen Vertragsverhandlungen.

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Die Lo-Fi-Ästhetik seines Debüts, „Wir können nix dafür“ (2011), hat sich auf dem selbst produzierten Nachfolger in ausgefeilte Arrangements verwandelt, die sich trotz beachtlicher Referenzenvielfalt (Nick Drake! Todd Rundgren! Gladys Knight! Calypso! Art-Pop!) stets als charakterstarke Originale empfehlen. Gediegener koloriert als Krämers vergnügungsparkbuntes Schaffen mit Die Höchste Eisenbahn, gehen diese Stücke tiefer, klappen das Visier höher, sind offenporiger und ergreifender, allen voran das Herzkammerspiel „Das ­­Ende“. Keyboarder Andi Fins hat hinreißend schöne Streicherparts geschrieben, die, man muss es heutzutage dazusagen, von echten Menschen eingespielt wurden.

Kooperation

Die geometrische Synth-Pop-­Nüchternheit einer amourösen Insolvenz („Deine Liebe wird kleiner/ Und du wirst eckiger“), semi-ironische 80er-Jahre­-Romantik („Eine Ballade muss drauf sein“) und Kompositionen, die aus den ehrenwertesten Singer-Songwriter-Alben der frühen Siebziger stammen könnten („Es ist ein langer Weg“): Diese 52 Minuten sind so überzeugend, dass man Moritz Krämer danach nahezu alles unterschreiben würde. Mit dokumentenechter Tinte.


Japanischer City Pop der 1980er: Tanzen zu den schönsten Erinnerungen, die wir nie hatten

Im Zusammenhang mit dem Genre City Pop tauchte Nostalgie bislang eher selten auf, zumindest in Japan nicht – dort ist der seit den frühen 1980er-Jahren geläufige Musikstil noch immer präsent. Nostalgie hebt man sich ja meistens für Erinnerungen auf, die unwiederholbar sind. Die City-Pop-Protagonisten, wie Tatsuro „Tats“ Yamashita, Mariya Takeuchi oder Anri, natürlich auch die Yellow-Magic-Orchestra-Gründer Ryuichi Sakamoto und Haruomi Hosono, werden auf der Insel jedoch wie Nationalheilige verehrt, ihr Werk gilt als noch nicht abgeschlossen. Die Sehnsucht nach Nostalgie steckt in jedem Menschen. Im Zeitalter permanenter digitaler Verfügbarkeit unserer Kulturerzeugnisse werden der seligen, verklärten Erinnerung jedoch Steine in den…
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