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Neil Young Peace Trail


Warner

Es würde sich lohnen, eine Seite lang ausschließlich darüber zu schreiben, wie die Band auf Neil Youngs neuem Album zusammenspielt. Wie Schlagzeuglegende Jim Keltner keinen ­Groove selbstverständlich hinnimmt, sondern scheinbar in diesem Moment neu entwickelt. Wie Bassist Paul Bushnell die Statik der Playbacks berechnet und zwischen Keltner und Young ausbalanciert. Und vor allem wie Young selbst seine Gitarre in der für ihn typischen Art scheinbar linkisch spielt, als ränge er mit sich selbst, und doch eine immens unmittelbare Energie erzeugt – und wie das auf „Peace Trail“ so direkt zu erleben ist wie seit langer Zeit nicht mehr.

Es hat in den vergangenen Jahren Musik von Neil Young gege­ben, bei der es eher um die ungebrochen aufrechte Haltung des Eigenbrötlers ging, man feierte dann mehr das Ideal des Work in Progress als die einzelnen Lieder. Auf dieser Platte ist Young sehr nah an Young selbst: an einem alten Sound, einem Schwanken, Knorren und Knusen. Den Titelsong singt er mit der lyrischen Sanftheit von „Heart Of Gold“, ein Fuzzsound kontrastiert das akustische Trio, darüber schweben Youngs Leadgitarre und ein Harmonium.

Die Band spielt präzise, doch die Perkussion bringt alles kunstvoll ins Wanken und mischt dem Lied ebenjene Fragilität bei, die Youngs ­Gesang eigen ist. „Can’t Stop Workin’“ steht auf den altvertrauten Akkorden von „Down By The River“ etc. „Well, I can’t stop working, because I like to work when nothing else is going on“, singt Young. „It’s bad for the body, but it’s good for the soul“ – das klingt fast wie eine Entschuldigung für den hohen Output der letzten Zeit. Hier wie bei zwei, drei anderen Liedern bricht in der Mitte eine endlos verzerrte Mundharmonika ins Arrange­ment, man zieht unwillkürlich den Kopf ein.

Spürbare Milde

„Indian Givers“ gibt den North-Dakota-Sioux eine Stimme im Protest gegen eine geplante Öl-Pipeline: „I wish somebody would share the news.“ Bei „Show Me“ sind die Raummikrofone weit offen, das Schlagzeug steht wie auf „Harvest“ breit hinten in der ­Produktion. Etwas weiter hinten auf dem Album dann „Terro­rist Sui­cide Hang Gliders“, wohl der am deutlichsten klassisch wirkende Song.

„Peace Trail“ ist von einer spürbaren Milde durchzogen – vielleicht sucht Young nach den kämpferischen Ansagen seiner letzten Werke die Entspannung. Seine Entscheidung, diese Songs nicht mit Promise Of The Real zu spielen, erweist sich als richtig: Das enorm bewegliche, neugierige und nicht auf Standards reduzierte Zusammenspiel der drei reifen Herren gibt „Peace Trail“ das besondere Moment.


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