Neneh Cherry Raw Like Sushi


Hier findet man den ersten Erfolg der Bristoler TripHop-Pioniere Massive Attack. Zwei Jahre vor ihrem Albumdebüt produzierten Nellee Hooper und Robert Del Naja Neneh Cherrys Single „Manchild“, deren weich geschliffener Downbeat mit den melan­cholischen Streicherzügen schon das meiste enthielt, was später zu einem der nachhaltigsten UK-Beiträge zum Neunziger-Weltkulturerbe werden sollte.

Der Hit des Albums, den die 1964 geborene Schwedin, Stieftochter des harmolodischen Trompeters Don Cherry, als erste Single veröffentlicht hatte, ist natürlich „Buffalo Stance“. Dieses war im Grunde Tim „Bomb The Bass“ Simenons Remix eines Stücks von Jamie Morgan und Cameron McVey, der wiederum (später mit Cherry verheiratet) den Großteil der Tracks dieses Albums produziert hat.

Neneh Cherry – Manchild:

Cherry, schon ein Jahrzehnt mit den Slits und dem Jazz-Post-Punk Rip Rig + Panic unterwegs, verstand sich vor allem als Sängerin. Sie glänzt hier indes nicht weniger als überaus ­freshe Rapperin, wie man damals sagte, als weibliche und auch empowernde MCs wie Salt ’N’ Pepa in den Charts noch ziemlich exotisch wirkten. Und dann präsentierte sie in „Top Of The Pops“ auch noch den sieben Monate alten Babybauch.

„Raw Like Sushi“ ist nicht nur musikalisch ein Achtzigerklassiker, sondern sowohl im melodisch-rappenden SoulHop als auch in Sachen Haltung ausgesprochen woke. Die Texte machen sich über Machokultur lustig, rufen Frauen an die Macht („Inna City Mamma“) und fordern allgemein Bewusstsein für die „Next Generation“ ein. Die Beats tragen einen Zeitstempel, sie klingen dünner, luftiger und auch topfiger, als es das moderne Ohr gewohnt ist – aber die Aura und der Vorwärtsdrall sind auch 30 Jahre später noch aufregend.

So ähnlich kann man das auch von den Beat-fokussierten Remixes von Größen wie Massive Attack (dubbiger), Smith & Mighty (hiphoppiger), David Morales (latin-rappelnder), Arthur Baker (bouncender) und Kevin Saunderson (acid-housiger) sagen. (­­Virgin/­Universal)


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