Nneka Soul Is Heavy


Sony


von

Als ich mich vor einiger Zeit mit einem Londoner Professor für Anthropologie unterhielt und die Sprache auf meine Heimatstadt Hamburg kam, erwähnte er weder die Beatles noch Kevin Keegan, sondern rief erfreut einen anderen Namen auf: „Nneka!“ Dass der gebürtigen Nigerianerin – auch Lenny Kravitz und Nas zählen zu ihren Fans – weltweit ein exzellenter Ruf vorauseilt, ist kein Wunder, kam doch bisher niemand dem Neo-Soul-Klassiker „The Miseducation Of Lauryn Hill“ so nah wie sie, schon gar nicht hierzulande.

Mit dem dritten Album ist nunmehr die Krönung vollzogen. Alles da: rollende Beats und Streicher-Parts, Vintage Soul und Reggae-Rhythmen, Afro-Pop und Disco-Drama, Flamenco und Desert Blues. Jeder Song ist anders, internationaler kann es auch auf dem Notting Hill Carnival nicht zugehen. Nneka kann alle: Lauryn Hill, Diana Ross, Bonnie Raitt. Die Texte hier beiläufig als „politisch“ zu bezeichnen, würde die Sache nur ungenügend treffen, die Themen, geprägt durch etliche Reisen nach Nigeria, gestalten sich genauso komplex und schwer zu fassen wie ihre musikalische Untermalung. Schwerer Stoff, ja, aber gleichzeitig „easy listening“ – und das an alle Vokalakrobaten des Landes: This is Soul!

Beste Songs: „J“, „Sleep“


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