Norah Jones: The Fall (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Norah Jones The Fall



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Er war nur zu verständlich, dieser ungläubige und fast verschüchterte Blick, mit dem sie 2003 im Blitzlichtgewitter der Weltpresse stand – mit ihren acht Grammys im Arm. Ausgerechnet sie, die leicht verhuscht wirkende Tochter von Sitar-Guru Ravi Shankar sollte gleich mit ihrem Debüt „Come Away With Me“ die kränkelnde Musikszene im Alleingang aus ihrer Sinnkrise erlösen? Und das mit so softer Musik, die wie sie selbst geradezu die pure Antithese war zu all dem Grellen, Lauten, Gestylten und Kalkulierten, das davor sicheren Erfolg versprochen hatte? Die Grimm-Brüder mögen rotieren, aber in diesem Fall war es mal Schneewittchen selbst, das wachküsste. Mehr als 40 Millionen Alben hat Norah Jones seither mit ihrem schönen Country-Blues unter die Leute gebracht, immer vorderste Chartränge belegt und nebenbei sogar noch eine kleine Kinokarriere gestartet.

Nun schickt die Songwriterin ihr fünftes, allenfalls feinjustiertes Werk auf den Weg. Auch ihre neuen musikalischen Begleiter, unter ihnen Tom-Waits-Saitenmann Marc Ribot und Beck/R.E.M.-Schlagzeuger Joey Waronker, lassen ihrer leicht rauchigen Stimme immer den Raum, emotionale Glanzpunkte zu setzen. Fein flirrende Keyboard-Sounds, geschmackvoll gurgelnde Gitarren und zurückgelehnte Drums sowie die niemals druckige Art des Gesangsvortrags platzieren den Sound manchmal fast in der Nähe der Walkabouts. Und wenn die Beats mal engagierter werden, etwa bei „Young Blood“, dem glamrockigen „It’s Gonna Be“ oder dem von einem traditionellen Boom-Chicka-Boom-Rhythmus angetriebenen „Tell Yer Mama“, sorgt Norah Jones mit Charme und Sexyness mädchen- aber niemals lolitahaft, für reizvolle Kontraste zwischen dem bisschen Alarm und der fabelhaften Entspanntheit. Bewundernswert, wie organisch, zugewandt und verbindlich diese aus der Zeit gefallenen Songs wirken, sobald der Hörer keine Sensationen mehr erwartet. Vermutlich der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.


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