Olli Schulz: S.O.S. - Save Olli Schulz (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Olli Schulz S.O.S. – Save Olli Schulz


Trocadero/Indigo VÖ: 16.05.2012


von

Nach dem Absturz zieht der Typ, der mal fast Rockstar war, wieder bei Mama ein, kein Koks mehr, keine Nutten, nur kaputte Gläser im Schrank und dieses Klavier, das auch nicht mehr als ein paar traurige Töne für ihn zu erübrigen hat. Der Song „Koks & Nutten“ ist eine lakonische Bilanz eines Musikerlebens, die auch von der Kraft der Lieder erzählt: „Weil ich auch nur einer bin auf der Suche nach dem Moment, wenn die Musik jeden Lärm und jeden Schmerz von dir nimmt.“ 

Zwar spielt Olli Schulz auf „S.O.S. – Save Olli Schulz“ auch gerne mal den Mike Krüger des Indie-Rock (am lustigsten in „H.D.F.K.K.“), sammelt Schnipsel, Skizzen und Songs, die sich nur selten an die Drei-Minuten-Marke heranwagen. Doch immer wieder begegnet man auf der Platte auch einem sehr ernsten Herrn Schulz, der dann am besten ist, wenn er den traurigen Clown spielt. Für „Koks & Nutten“ lässt er sich dabei sogar ausnahmsweise fast sechs Minuten Zeit.

Aus einer ein paar Stunden dauernden Session mit Schlagzeuger Ben Lauber, Produzent Moses Schneider und Freunden wie Gisbert zu Knyphausen oder Walter Schreifels hat Olli Schulz Lieder, Witze und Pop-Aphorismen herausgefiltert; ein Repertoire, das mal melancholisch, mal albern, immer aber poetisch von der Liebe und deren Nebenwirkungen erzählt. Etwa in „Wenn es gut ist“, bei dem er ein Riff spielt, das er sich aus Foreigners „Urgent“ geklaut haben könnte. Oder im Kontaktanzeigen-Song „Irgendwas fehlt“, dem groovenden „Ich dachte, du bist es“ oder der souligen Ballade „Schrecklich schöne Welt“. Und mal drängen Olli Schulz’ sentimentale Ich-Erzählungen ins grelle  Scheinwerferlicht wie in „Phosphormann“, in dem er bekennt: „Da ist ein Licht, das lässt mich leuchten/ Jede Nacht strahlt es mich an.“ Mal umarmen sie das Dunkel wie im altersmilden „Old Dirty Man“, das mit einem Klavier mit Überdosis Chorus beginnt, durch das sich später ein Vangelis-Sythesizer schiebt und in dem Olli Schulz am Ende singt: „Ich bin aufgewacht mit einem Lächeln heute Morgen.“


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