Passenger Whispers


Embassy Of Music

Ein Teil der Besprechungen des neuen Albums von Passenger wird mit einem Zitat aus „27“ beginnen: „I write songs that come from the heart/ I don’t give a fuck if they get into the charts.“ Weil man ein wenig voyeuristisch ist, möchte man das gern wissen: Wie wird einer, der am liebsten auf der Straße spielt, mit einem Hit wie „Let Her Go“ fertig?

Mit einer Mischung aus Anpassung und Sturheit, sagt Mike Rosenberg. Die Konzerte werden größer, aber auf der Straße kann man doch trotzdem spielen. Die neue Platte wird sich oft verkaufen, aber deshalb kann man sie doch trotzdem im selben kleinen Studio aufnehmen. Einfach weitermachen, das passt zu Rosenberg, dessen neue Songs wieder sanften Songwriter-Folk mit einer gewissen Nähe zur britischen Folklore haben, wegen der Fingerpickings und der seufzenden Fiddle. Das Feierlich-Ländliche wird noch dadurch verstärkt, dass Rosenberg die kanadische Folklore-Band The Once als Background-Chor engagiert hat – es wird wirklich schön gesungen auf „Whispers“. Dazu umspielt ein kleines Streicherensemble die Lieder, die dann tief seufzen und sich wiegen und mit geschlossenen Augen eng umschlungen tanzen.

Es geht einem das Herz auf, so freundlich summt diese Musik – man kann so ein Sentiment per se ablehnen, dann ist man hier nicht richtig. Ansonsten hört man einen Songwriter, der sein Gefühl im Verlauf von nun sechs Alben sehr direkt nach außen zu tragen gelernt hat. „Heart’s On Fire“ folgt Tempo und Spielart besagter Hits, das Lied klingt wie Mumford & Sons in Zeitlupe. „Whispers“ beschreibt einen verzagten Moment, Rosenberg tanzt betrunken auf der Straße, bis in einem mächtigen Crescendo alles aus ihm herausplatzt. Bei dem gedrosseltem Uptempo „Start A Fire“ mischt sich eine Trompete in die Instrumentierung, das Lied entwickelt eine epische Breite. Rosenbergs Themen sind universell traurig, berichten von der Unsicherheit eines Mannes nach dem Ende der Jugend, sind wehmütig und hoffnungsvoll und ganz am Leben. Ein Passagier, ein Reisender.

Jörn Schlüter


Bruce Springsteen: Die besten Veröffentlichungen aus der „Archive Series“ (6): Freehold, NJ 1996, Saint Rose Of Lima School Gym

Aktuell 43 Live-Mitschnitte, aufgenommen zwischen 1975 und 2013, bietet Bruce Springsteen auf seiner Website in der „Archive Series“ in verschiedenen Formaten zum Download an. In der Regel erscheint am ersten Freitag jedes Monats eine neu abgemischte Archiv-Show. Welches Konzert hatte die schönste Setlist? Wo war der Sound am besten? Ein Springsteen-Guide als Serie, zum 70. Geburtstag des Musikers: Aufnahmen, die man kennen muss. Die Autoren: Lutz Göllner ist Redakteur im Medienressort der Berliner Stadtmagazine „zitty“ und „tip“. Bei einem USA-Aufenthalt hat er 1974 erstmals Springsteen gehört, fühlte sich als Kind und Jugendlicher immer wie ein Loser, bis er merkte: Er selber ist…
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