Paul McCartney Egypt Station


Es wird vermutlich kein Alterswerk von Paul McCartney geben, keinen Dad Rock, kein Great British Songbook, und seine Symphonie hat er ja schon geschrieben. Es wird immer geben: eine Sammlung von McCartney-Songs, die zwischen 1963 und irgendeiner Gegenwart vermitteln, zwischen dem Profanen und dem Subtilen, Sentiment und Pathos, der großen Geste und dem erratischen Experiment, dem alles umarmenden Hymnus und dem leisen Kammerlied. Und manchmal fällt alles in eins.

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Auf „Egypt Station“ gibt es die anstrengungslosen McCartneyismen: das schwerblütige „I Don’t Know“ („I got crows at my window“), „Confi­dante“, „Hand In Hand“, „Dominoes“ und, am schönsten, „Do It Now“ mit Harmonium und Chor und Streichern, sich aufschwingend zur Erweckungs­ballade, und das imposante, fragmentierte „Despite Repeated Warnings“, ­eine Art „Abbey Road“-Suite in einem Song (und das Electric Light Orchestra!). Es gibt den populistischen Gemeinplatz, „People Want Peace“, keinen Deut raffinierter als der Titel. Es gibt den ironischen Gassenhauer, „Fuh You“, ein delikates Spiel mit Formulierung und Aussprache, eine Zweideutigkeit: ­Geschrieben lautet die zentrale Textzeile: „I just want it fuh you“ – gesungen klingt es aber anders (und das Stück klingt ein bisschen wie „Sanctuary“ von Welshly Arms).

Bei „Back To Brazil“ wagt McCartney moderat moderne Beats, bei dem wie improvisierten, aufgekratzten, na, Funk-Rock von „Caesar Rock“ schaltet er auf seine distanzierte Bellstimme, und bei „Hunt You Down/Naked/C-Link“, einem weiteren Medley, ist McCartney dann wie entfesselt, mit Sound-Gedöns, elektrischer Gitarre und Bläsern, einem drollig-­nostalgischen Mittelteil und einem nun wirklich überraschenden Blues-, wenn nicht sogar Pink-Floyd-­Gitarren-Outro. Es ist ziemlich verrückt und sehr gut.

Kooperation

Die geschäftigen Bahnhofsgeräusche – die Egypt Station! – zu Beginn und am Ende der Platte sind mehr als Kolorit. McCartney sagt: Hier ist der Weltempfänger, und das bin noch immer ich. (Universal)

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„Radio Rammstein“ spielt nostalgische Satire (und ist doch subversiv)

In ihrem neuen Musikvideo zum Song „Radio“ lassen Rammstein den großen Eklat aus, zitieren dafür Kraftwerk, die deutsche Vergangenheit und ihre eigene Geschichte – natürlich nicht ganz ohne Provokation. „So höre ich, was ich nicht seh' / Stille heimlich fernes Weh“ – wenn es damals aus dem Weltempfänger tönte, war zumindest für diesen kurzen Moment ein Akt der Freiheit hergestellt. Rammstein besingen in ihrem neuen Song „Radio“ auch die eigene Vergangenheit – die Bandmitglieder sind in der DDR geboren. Musikalisch ist „Radio“ Pop, der sich in erster Linie vor den Elektro-Pionieren Kraftwerk und ihrem eigenen Song „Radioaktivität“ von 1975 verbeugt.…
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