Paul Weller Sonik Kicks


Cooperative Music / Universal VÖ: 23.03.2012


von

Jetzt springt ihm der Draht aus der Mütze, jetzt brennt sein Hut: Olle Weller entdeckt den Krautrock, die Elektronik, die Abstraktion! Jedermann oder Noel Gallagher hätte ihm doch sagen können, dass dergleichen nichts taugt. Der Wilde von Woking will den Jüngeren beweisen, wie sehr er noch auf der Höhe der Zeit ist – und schwelgt in „By The Waters“ zu zirpenden, idyllischen Streichern sentimentaler denn je. Was Paul Weller aber techniktrunken und stroboskopbeschwipst zusammenlärmt, das ist im Bemühen um Hipness schon wieder obsolet und hoffnungslos stümperhaft: Solche gezwungenen Radikalismen haben zwar als Idee etwas sehr Unterhaltsames und Amüsantes (von Neil Young lernen!), doch hören muss man sie halt auch noch.

Immer mal wieder bricht eine Weller-Phrase, eine vertraute Melodie, ein zupackendes Riff durch das Dickicht des Klangs – und erstirbt alsbald. Das Hybrid „Sonik Kicks“ ist in mancher Hinsicht genau das Album, das wir ängstlich erwartet hatten. Kein britischer Songschreiber (außer Paul McCartney!) entfernte sich je so weit von seinem Geläuf, um doch derselbe zu bleiben: Was immer das Donnerwetter von „Study In Blue“ mit Frauengesang, heftigem Piano, Percussion und heulender Orgel sein soll (Hippie-Dancefloor?) – ein bisschen ist es auch „The Money-Go-Round“ vom Style Council. Und das gesamte Elend könnte „Modernism – A New Decade“ heißen.

Nach manchen halbguten, schöngehörten, fragwürdigen, schwer erträglichen, mediokren und holperigen Weller-Alben ist dieses nun ein veritabler Schuss in den Ofen. Umso weniger wird man „Sonik Kicks“ vergessen.