„Ponies“: Buddy-Comedy oder Agenten-Thriller?
Zwei Frauen verirren sich ins Agentengeschäft – und bringen einige Thriller-Klischees durcheinander
Dass wir uns in den 70er-Jahren befinden, verrät der „Ponies“-Soundtrack, der ulkig Songs wie Fleetwood Macs „Second Hand News“, Steely Dans „Do I Again“, David Dundas‘ „Jeans On“ oder „Musta Got Lost“ von der J. Geils Band aneinanderreiht. Dass wir in Moskau sind, ist daran zu erkennen, dass der Kamera irgendwie die Farben ausgegangen zu sein scheinen, alles blass und kalt aussieht und dass alle Fellmützen tragen. Und dass wir uns in die Geheimdienstwelt verirrt haben, wird dadurch deutlich, dass Tolstois Wälzer „Anna Karenina“ vor allem dazu dient, Spionagegerät zu schmuggeln – und dass die Einzigen, die hier nicht als verdächtig gelten, Frauen sind. Schließlich ist das Agentengeschäft im Kalten Krieg Männersache.
Das ungleiche Duo legt sich mit dem KGB an
Das zumindest glaubt der KGB. Der hat seine Rechnung aber ohne Bea Grant (Emilia Clarke aus „Game Of Thrones“) und Twila Hasbeck (Haley Lu Richardson aus „The White Lotus“) gemacht. Nachdem die beiden bei einer Weihnachtsfeier in der US-Botschaft in Moskau erfahren, dass ihre Männer, die angeblich als Kommunikationsbeauftragte des stellvertretenden US-Botschafters in der UdSSR arbeiten, in Wirklichkeit aber Spione sind, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen sein sollen, beschließen sie, selbst Agentinnen zu werden.
David Iverson und Susanna Fogel variieren in „Ponies“ die Idee, auf der schon ihre Actionkomödie „Bad Spies“ (2018) beruhte: Zwei Frauen verirren sich unverhofft, unbedarft und ziemlich tollpatschig ins Agentengeschäft. Auch der Achtteiler ist so eine Buddy-Comedy: Clarke spielt Bea als still-schüchterne Frau, die lernen muss, ihre Ängste zu überwinden, Richardsons Twila ist laut, unverfroren und schwer zu stoppen. Und dieses ungleiche Duo legt sich nicht nur mit dem KGB an, sondern bringt dabei auch noch allerlei John-le-Carré-Thriller-Klischees durcheinander. (Sky)