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Prince Up All Nite with Prince: The One Nite Alone Collection



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Bei seinen Konzerten aus dem Jahr 2002 skandierte Prince so viele Slogans wie seit seiner „Lovesexy“-Tour von 1988 nicht mehr. Zwei kamen immer dann, sobald er seine Band zu einem Jam anstieß. Der eine Slogan war rätselhaft – und wird bis heute von seinen Anhängern verwendet, sobald ihr Idol in Frage gestellt wird: „Real Music – By Real Musicians!“. Der andere erschien intuitiv: „Jaaazzz!“. Jazz war eigentlich nicht so sein Ding. Doch versuchte Prince damit jene Freiheit in Worte zu fassen, die vielleicht kein anderes Genre bietet.

Denn auch er fühlte sich wieder frei. Es ist erstaunlich, wie ein Künstlername auf die Qualität der Werke einwirken kann. Mit „The Rainbow Children“ verabschiedete er sich nach sechs Jahren vom „Love Symbol“-Moniker und den vielen schlechten Alben und kehrte als Prince mit einem guten Album zurück. Ist dieses Comeback seine glücklichste Phase gewesen? Es war jedenfalls das letzte Mal, dass Prince sich auf Höhe der Zeit befand – mindestens aus Marketingsicht, er vertrieb seine Werke, Anfang des Jahrtausends Pionier-verdächtig, übers Netz. „The Rainbow Children“ wird gelegentlich als Album verunglimpft, das die Zeugen Jehovas verherrliche; aber da Prince jetzt oft durch einen Stimmverzerrer sang, wurden Worte unwichtig, entschieden Lieder wie das Titelstück sich ausschließlich über ihren Sound.

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Der magische Piano-Prince wiederum war jener, der seine Lieder verkürzte, sie im Medley präsentierte, mit Tempowechseln innerhalb weniger Sekunden überraschte – Sex, wie er als Musik sein muss. „Piano and a Microphone“, das 2018 veröffentlichte Demo, dokumentierte diese Rastlosigkeit, einen Stimulus nach dem anderen zu jagen. „One Nite Alone“ dagegen, sein auf „The Rainbow Children“ folgendes Klavier-Album, wirkt mit seinen ausführlichen Balladen domestiziert. Das überzeugendste Stück war ein Cover, Joni Mitchells „A Case Of You“.

Nun wurde seine Tournee 2002 mit Veröffentlichung dieser Piano-Platte gebucht – die kaum einer im Internet bestellte oder nur Mitgliedern des Fanclubs NPG Music Club angeboten wurde. Sie erhielt also den irreführenden Titel „One Nite Alone“, obwohl seine Solo-Klaviereinlage auf der Tour die Zehnminutengrenze selten überstieg.

Mit „Live at The Aladdin Las Vegas“ erscheint ein Auftritt nun als DVD-Neuauflage, aber Prince traf damals zwei weitere wichtige Entscheidungen. Erstens, dass nach 25 Studioalben die Zeit reif war für ein Bühnenmitschnitt-Album – „One Nite Alone … Live!“. Zweitens, dass die Leute einen Beleg („One Nite Alone: The Aftershow … It Ain’t Over!“) jenes Prince haben wollten, der nicht nur zwei Konzerte pro Abend schaffte, sondern bei jenem späteren, tief in der Nacht, Einblicke in seine Kompositions- und Interpretationsmethoden zuließ. Die Aftershows waren Neudefinitionen des Jam: wie fehlerlose Liveaufzeichnungen aus dem Studio. Als wäre alles geplant – was es nicht im Geringsten war. Prince spielte zwölfminütige Gitarrensoli ohne eine einzige Wiederholung.

Und nichts davon, weder die Coverversionen, noch die neuen Lieder, landeten auf Studioalben. Diesen Luxus leistet sich, wer die eigene Kreativität als unerschöpflich betrachtet.

„How Long You Been Waitin‘?“ fragt Prince hier zu Beginn seiner Aftershow, und sein Gitarrensolo macht aus „Joy in Repetition“, einem Lied über Lust, ein Lied über perverse Lust. „You’re Killing Me With That Bass, Rhonda!“, ruft Prince, dann beim regulären Konzert, seiner Bassistin zu. Aber es ist genau das, was er immer wollte: kleine Tode, jeden Abend, auf der Bühne. Durch die richtigen Töne und die richtigen Vibrationen.


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