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Sting … Nothing Like The Sun”

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17. Sting: The Lazarus Heart (aus 'Nothing Like The Sun', 1987). Der Album-Opener, geschrieben für die verstorbene Mutter, e

Ob seine Reisen nach Südamerika mit dem Versuch zu tun hatten, möglichst großen Abstand zu The Police zu gewinnen? Zumindest hörte sich erst sein zweites Soloalbum, “…Nothing Like The Sun” von 1987 so an, als hätte Sting sich von seinen Bandkollegen Stewart Copeland und Andy Summers verabschieden können. In keinem Moment dieser Doppel-LP kommt man auf den Gedanken, ob die zwei anderen Police-Musiker manche der 12 Songs, im Gegensatz zu einigen Liedern der ersten Sting-Soloplatte “The Dream Of The Blue Turtles” (1985), nicht besser hinbekommen hätten als die neuen Mitmusiker. Die Riege an Könnern war auch einfach zu groß. Gil Evans machte hier mit, Clapton, Manu Katché und Branford Marsalis. Dieses Album klang nach Jazz, Operette, war Tropen und Metropole gleichermaßen.

Die drei zentralen Lieder (und Singles) von “…Nothing Like The Sun” stehen für unterschiedliche Erfahrungen des damals 36-Jährigen Sting. “Fragile” und “The Dance Alone” schrieb er nach seinen Besuchen in Nicaragua respektive Chile; in “Fragile” betrauert er den Tod eines US-amerikanischen Hilfsarbeiters. Das auf Akustikgitarren mehr oder weniger geflüsterte Lied war sein – auch, wenn sich das schlimm liest – Appell an den Frieden und ist bis heute sein populärster Solo-Song. “They Dance Alone”, wie manch anderes dieser Lieder auch auf spanisch veröffentlicht, geht noch tiefer in die Politik. Es widmet sich den Witwen derjenigen Männer, die von Pinochet-Regime ermordet wurden. Bono, der im Rahmen von Amnesty mit Sting in Lateinamerika unterwegs war, veröffentlichte im selben Jahr ein U2-Stück mit derselben Thematik: “Mothers Of The Disappeared”.

Dennoch ging Sting viel sanfter vor als manch anderer. Im Gegensatz zu den Kollegen Peter Gabriel oder dem Pionier Paul Simon versuchte er damals nicht wie ein “Weltmusiker” zu klingen, oder sich zumindest “Weltmusiker” ranzuschaffen, die aus seinen Songs etwas ganz Neues machen. Sting war sich, was die Komposition betrifft, zumindest in den Achtzigern seiner inneren Grenzen bewusst.

Am auffälligsten war sicher die Single “Englishman in New York”, ein Mash-Up von Gedanken, die konfus wirken.  Da singt einmal der Shakespeare-Brite Sting, der die amerikanische Stadt mit einer Mischung aus Faszination und Ekel betrachtet (“I don’t drink coffee, i drink tea, my dear / I like my toast brown on one side”), und der sein Dandytum etwas zu großväterlich mit abgespreiztem Bein und Regenschirm demonstriert. Um seine “Entfremdung” zu unterstreichen, wird der Jazzpop in der Song-Mitte durch eine Art HipHop-Beat abgelöst. Das macht das Lied nicht besser, aber zumindest kann man Sting nicht vorwerfen, dass er 1987 mit der Entdeckung urbaner Klänge zu spät dran war.

Etwas versteckt auf Position elf befindet sich eines der Höhepunkte der Platte, “Little Wing”. Wer Hendrix covert, sollte sich ja nicht zu sehr auf die Gitarre versteifen. Zusammen mit Gil Evans und seinem Orchestra balanciert Sting hier zwischen Big Band, Calypso und Rock. Jazz natürlich auch, der Sänger tastete sich damals immer noch langsam ran. Am schönsten ist die Stelle, in der seine Gitarre ins Saxofon übergeht.

Nicht minder beeindruckend ist “Be Still My Beating Heart.” Wer Sting hassen möchte, könnte sich hier bestätigt fühlen. In diesem schwülen Bluespop versucht er seine Liebesgefühle zu beruhigen, indem er sich der akademischen Lektüre widmet: “I’ve been to every single book I know, To soothe the thoughts that plague me so”. Arroganter Typ? Klasse Song. Bestes Lied des Albums ist aber das Eröffnungsstück, “The Lazarus Heart”, komponiert für die verstorbene Mutter. Es erzählt in unverhohlen freudigsten Tönen von der Wiederauferstehung, angetrieben von Branford Marsalis’ Saxofon, das wie ein rauschender Bach klingt.

Ganz anders standen die Dinge für Sting, als nach der Albumveröffentlichung auch noch sein Vater verstarb. Der Tod beider Elternteile versetzte ihn in einen Zustand der Schreibblockade. Vier Jahre sollte es bis zum nächsten Studioalbum, “The Soul Cages”, dauern. Es würde ein Werk werden mit ähnlicher Klasse, jedoch ohne die bisweilen verspielt-optimistischen Töne von “…Nothing Like The Sun”.

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