Royal Trux White Stuff


„Royal Trux Two Point O“, intoniert Kool Keith in „Get Used To This“. „2.0“ als Ansage: seit 20 Jahren out. Aber es war bei Royal Trux nie klar, wie ernst sie das Spiel mit den Klischees meinen. Gaststar Kool Keith, Sängerin Jennifer Herrema und Gitarrist Neil Hagerty sind alle um die 50, New Yorker Freunde, man hilft sich aus. Das Duo veröffentlicht ja sein erstes Album seit 19 Jahren, will Neuland betreten.

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Wie schon bei der Comeback-­Platte von Boss Hog („Brood X“), deren Mitglieder Jon Spencer und Cristina Martinez mit Hagerty einst in der Garage-­Band Pussy Galore spielten, spielt HipHop hier, gerade in der Rhythmik, eine wichtige Rolle – die Drums hauen bisweilen alles weg. Punk, Urban, Roots, alles wie gewohnt drin, wild vermengt in ihrer elften Platte. „One person’s trash is another’s treasure. Found shit is the best shit“, so beschrieb Herrema die Methode, Rock’n’Roll mit zeitgenössischem Quatsch zu verbinden.

„White Stuff“ meint eben nicht, dass ihre Musik „weiß“ ist, sondern beschreibt die Ehrlichkeit, mit der „Weiße“ seit Anbeginn des Blues bereit sind, mit Hommagen auf „schwarze“ Musik notfalls auch zu scheitern. Das Anerkennen mangelnder Ebenbürtigkeit. Und natürlich meint es auch Koks.

Kooperation

Warum ist das Werk okay, aber nicht so grandios wie das Doom-Americana von „Cats And Dogs“ oder auch von „Veterans Of Disorder“, das so klang, als schaute die Manson Family mit ihren Klampfen am Lagerfeuer des Fähnlein Fieselschweif vorbei? Der Hit fehlt. Eventuell liegt es auch daran, dass Herrema und Hagerty womöglich kein Paar mehr sind; dass ihr Chorgesang, der vielleicht schaurig-schönste des Rock, jene natürliche Ich-ergänze-dich-blind-­Harmonie von Menschen vermissen lässt, die oft miteinander arbeiten. Früher kam ­ihre Zweistimmigkeit ohne Effekte aus, die Verzerrungen schwächen Songs wie „Sic Em Slow“ ab.

Soll man sich freuen, dass Royal Trux wieder da sind? Klar! Verdeutlichen diese Songs, warum wir sie vermisst hatten? Hm. (Fat Possum)


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