Savoy Grand: Accident Book (Kritik & Stream) - Rolling Stone






Savoy Grand Accident Book



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Die Stille wird oft unterschätzt in der Popmusik. Wer nämlich viel Platz lässt zwischen Tönen und Veröffentlichungen, kommt schnell in Genieverdacht. Große Meister der Stille sind die Briten Savoy Grand, deren Songs sich in Zeitlupe zu großer Grandezza entwickeln können. Seit ihrem letzten Lebenszeichen sind bereits vier Jahre vergangen.

„Accident Book“ beginnt nun, als wäre nicht allzu viel passiert seitdem: Dumm-da-dumm-da-dumm, „He realized“ dumm-da-dumm-da–dumm-da-da „hope died“ dumm-da-dumm-da „out in the countryside“ pling! „Where you find“ pling! „what you need“ pling! „is the thing that you left behind“. Sie lassen sich wieder viel Zeit, bis aus einzelnen Tönen ein Lied wird. Sänger Graham Langley erhöht von Atemzug zu Atemzug den Leidensdruck, haucht, fleht, barmt. Doch die Stücke haben mehr Kontur als zuletzt, scheinen zugleich wärmer, feinsinniger als auf dem letzten Album „People And What They Want“, bei dem der Titel schon verriet, dass sich die Band in eine Sackgasse gespielt hatte, den Erwartungen nach dem sublimen Meisterstück „Burn The Furniture“ nicht gerecht werden konnte.

„Fourcandles“ nimmt im Verlauf regelrecht Fahrt auf, „The Doctor’s Teeth“ atmet mit mächtigem Standbass und akustischer Gitarre den Geist von Pentangle, „Photophobia“ entwickelt sich in fast acht Minuten zu einem unausweichlichen Strudel aus Klavier, Schlagzeug und Gitarre, bevor „The Plan“ wieder an den elegischen Anfang zurückführt.

Savoy Grand haben die Stille für 50 Minuten vereinzelt unterbrochen. Und sie haben einen ziemlich guten Grund dafür gehabt: „Accident Book“.

Maik Brüggemeyer


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