Serie der Woche: „A Knight Of The Seven Kingdoms“
Der "Game Of Thrones" macht aus einer Nebenfigur einen tragischen (und manchmal komischen) Helden.
Westeros ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Während einen „House Of The Dragon“, das erste von noch vielen geplanten „Game Of Thrones“-Spin-offs, gleich zu Beginn mit spektakulären Schauwerten empfing, die all das boten, was Fans an dieser magisch aufgeladenen mittelalterlichen Fantasywelt lieben, landet man in „A Knight Of The Seven Kingdoms“ in einer der ödesten Ecken der Welt, die sich George R. R. Martin ausgedacht hat. Dort beerdigt Ser Duncan in einer trist-verregneten Landschaft gerade den Ritter, dem er lange gedient hat. Jetzt darf er sich selbst Heckenritter nennen. Aber weiter entfernt als dieser etwas einfältige, aber gutmütige und ehrenhafte Mann kann man kaum vom Eisernen Thron sein, auf dem die Targaryens sitzen, als diese Geschichte spielt. Und Drachen bekommt man hier nur in Form von Puppenspieler-Attraktionen auf Jahrmärkten zu sehen.
„A Knight Of The Seven Kingdoms“ verhält sich ein bisschen zu „Game of Thrones“ wie Tom Stoppards „Rosenkrantz und Güldenstern sind tot“ zu Shakespeares „Hamlet“: absurdes Theater, das aus Nebenfiguren tragische Helden macht. Vorlage für die Serie war Martins Trilogie „Der Heckenritter von Westeros“, die rund 90 Jahre vor den Ereignissen der Originalserie spielt. Und zunächst wirkt es so, als ob Ser Duncan und sein glatzköpfiger Knappe Egg, den er irgendwann unterwegs aufliest, ein ziemlich ereignisloses Leben abseits der Welt der Mächtigen führen würden. Doch das soll sich plötzlich ändern, als sie Aerion Targaryen über den Weg laufen. Und spätestens dann, wenn am Ende der vierten Episode erstmals die Cellomelodie aus „Game Of Thrones“ zu hören ist, merkt man, dass man wieder in Westeros angekommen ist – und dass „A Knight Of The Seven Kingdoms“ tatsächlich eine Serie ist, die es würdig ist, am Anfang des Deutschlandstarts des Streamingdiensts HBO Max zu stehen. (HBO Max)