Serie der Woche: „Interview With The Vampire“



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Dem zynischen Vampir Lestat hätte diese Ironie des Schicksals vielleicht gefallen: Jahrelang hat sich Anne Rice für eine Serienadaption ihrer Vampir-Geschichte eingesetzt und fungiert bei diesem Achtteiler als Executive Producer – doch die Veröffentlichung erlebte sie nicht mehr. Rice starb im Dezember 2021.

Es ist erstaunlich und spannend, wie frei hier mit dem Material umgegangen wird. Fast 30 Jahre nach der berühmten Verfilmung ist „Interview With The Vampire“ nun vor allem eine schwule Liebesgeschichte, viel Horror gibt es natürlich gratis dazu – an Blut wird nicht gespart. Im Kern steht allerdings die komplexe Dynamik zwischen zwei untoten Männern – erzählt aus der Sicht von Vampir Louis de Pointe due Lac. Eric Bogosian gibt den abgehalfterten Journalisten Daniel Molloy, der sich noch einmal auf Louis einlässt, mit beeindruckender Penetranz, doch die wahre Schau ist Jacob Anderson als Louis. Die Rolle, die 1994 Brad Pitt zugedacht wurde, spielt jetzt ein Schwarzer – in New Orleans 1910 natürlich eine besonders interessante Wendung, und Andersons Charisma überstrahlt manch gespreizten Dialog.

Dagegen bleibt sein Gefährte Lestat de Lioncourt (Sam Reid) überraschend blass. Insgesamt sehen aber sowohl die Kulissen als auch die Menschen als auch die Vampire sehr schick aus – als hätten die Macher gedacht: Wenn wir schon Rassismus und Homosexualität so eindeutig thematisieren, dann schaffen wir dafür den schönstmöglichen Rahmen. Eine zweite Staffel ist schon bestellt. (Sky)


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