Serie der Woche: „Kacken an der Havel“

Die Netflix-Produktion ist mal komisch, mal rührend – und Rapper Fatoni spielt auch famos

ROLLING STONE Badge
Empfehlungen der Redaktion

Namenswitze sollten eigentlich verboten sein, auch bei Orten. Aber okay, einer geht noch. Die neueste deutsche Netflix-Produktion heißt „Kacken an der Havel“ – es ist ein kleines Dorf in Brandenburg, in das der Möchtegern-Rapper Toni (Anton Schneider) zurückkehrt, nachdem seine Mutter beim Versuch, eine Ente zu retten, gestorben ist. (Enten sind ein großes Thema in Kacken, ein Küken namens Tupac kann sogar sprechen.) In Berlin hat Toni es bisher zu nichts gebracht, und nun muss er noch feststellen, dass er einen 13-jährigen Sohn hat und gar nicht weiß, was Vatersein bedeutet.

Fatoni kann nicht nur rappen, sondern auch famos spielen

Schneider ist als Rapper Fatoni bekannt, hat aber auch eine Schauspielschule besucht (übrigens gemeinsam mit einem weiteren Multitalent, Christin Nichols) – er spielt den bräsigen, selbstmitleidigen Toni famos. Die größte Entdeckung ist aber Sky Arndt als sein Sohn Charly. Er wechselt mühelos zwischen dem herzlichsten Grinsen und einem manipulativen Heulkrampf, man muss ihn einfach mögen.

Youtube Placeholder

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Youtube
Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Neben der mal komischen, mal rührenden Familiengeschichte hat „Kacken an der Havel“ viele skurrile Momente zu bieten, unter anderem dadurch, dass Veronica Ferres hier Bürgermeisterin ist und als eine Art Göttin verehrt wird. Auch gibt es einen Laden, der Friseursalon und Bestattungsinstitut zugleich ist („Trau-Hair“). In Nebenrollen tauchen Matthias Brandt und Edin Hasanovic auf. Es spricht für das Ensemble, dass sie nicht weiter auffallen. Und alles sieht irgendwie pastellfarben aus, wodurch die Serie einen surrealen Touch bekommt. Das einzig Nervige ist der viel zu aufdringliche Off-Kommentar. Man hätte den Schauspielern ruhig zutrauen können, die Geschichte zu tragen, ohne dass jedes Detail dezidiert erklärt oder mit einer ironischen Bemerkung versehen werden muss. Ist ja kein Hörspiel. (Netflix)