Serie der Woche: „Oh Hell!“



von

„Das Tolle daran, wenn du immer verkackst, ist: Du bist unglaublich kompetent darin, dein Verkacken zu vertuschen.“ Das hören wir Helena, genannt Hell, aus dem Off sagen, als sie gerade vom Callcenter zur Uni sprintet, um ihrem Vater, der da unerwartet bei einer Abschlussfeier aufgetaucht ist, weiszumachen, dass sie tatsächlich gerade ihr Juraexamen gemacht hat. Und tatsächlich ist Helena verdammt gut im Verkacken, ob es um Jobs, um Beziehungen oder das Leben im Allgemeinen geht – und selbst am vorzeitigen Ende der Ehe ihrer Eltern war sie vor zehn Jahren nicht ganz unschuldig.

Johannes Boss, der sich „Oh Hell!“ ausgedacht hat, ist neben Murmel Clausen Deutschlands Experte für verdrehte Pointen und kuriose Storys. Er hat Drehbücher für die Serien „Jerks“ und „KBV“ geschrieben. Während „Deadlines“, seine erste eigene Serie, arg verkrampft-komisch versuchte, Deutschlands Antwort auf „Girls“ und „Sex And The City“ zu sein, bringt er jetzt irgendwie „Fleabag“ und „Ally McBeal“ durcheinander. Auch weil Mala Emde Helena so wunderbar spröde-komisch spielt, verkackt er „Oh Hell!“ jedenfalls nicht. (Magenta TV)


ÄHNLICHE KRITIKEN

Serie der Woche: „Shining Girls“

Mit Elisabeth Moss, Wagner Moura, Jamie Bell

Serie der Woche: „Almost Fly“ – Staffel 1

Mit Andrew Porfitz, Samuel Benito, Paula Hartmann

Serie der Woche: „Gaslit“

Mit Julia Roberts, Sean Penn, Dan Stevens


ÄHNLICHE ARTIKEL

Serie der Woche: „Das Begräbnis“

Der ARD-Sechsteiler mit improvisierten Dialogen und toller Besetzung ist schrecklich realistisch, manchmal kippt er ins leicht Groteske.

Serie der Woche: „Die Discounter“

Vieles wurde an nur 23 Drehtagen improvisiert, das meiste ist tatsächlich sehr lustig. Es gibt ein bisschen zu viel Fäkalhumor und billige Pointen, doch was wirklich schade ist: Dass die Staffel mit einem Würgereiz endet – und zwar bei Folge neun, während in der zehnten dann nur noch ein Making-of gezeigt wird.

Serie der Woche: „American Rust“

Nüchtern-intensive Erzählung von trostlosen Lebensentwürfen, falschen Entscheidungen, von Schuld und Sühne – letztlich ein Drama vom Niedergang der amerikanischen Mittelschicht.