Sheryl Crow

„Evolution“

Universal (VÖ: 29.3.)

Die Songschreiberin saniert ihren Nineties-Country-Pop.

Billige Witze über den Titel und seine Umsetzung in den neuen Liedern von Sheryl Crow sparen wir uns jetzt mal und stellen fest: Crow bleibt sich treu auf „Evolution“, das es ja eigentlich gar nicht geben dürfte, da die Songschreiberin nach „Threads“ (2019) keine weiteren Langspielwerke aufnehmen wollte, weil das Album als Kunstform keine Wertschätzung mehr erfährt, Streaming den Markt beherrscht, es nur noch um servierfertige Häppchen geht und die Weltlage und sowieso und – ach! – alles eh viel trauriger ist als in den Neunzigern, als die einstige Background-Sängerin von Michael Jackson zum Superstar avancierte. Zweieinhalb Platten lang hatte sie die unwiderstehlichsten Hits zwischen Pop und Country-Rock. Die besten Musiker spielten für sie, Bob Dylan schenkte ihr einen Song. Nichts schien die Erfolgssträhne beenden zu können. Dann kamen härtere Zeiten, Eric Clapton, Lance Armstrong. Crow kämpfte mit Krebs und Depressionen. Aber alle drei bis vier Jahre nahm sie wieder ein sehr ordentliches Album auf.

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„Evolution“ verändert ihre musikalische Rezeptur marginal. Es gibt ein bisschen Kosmetik, um den Sound auf den aktuellen Stand (bzw. das, was Produzent Mike Elizondo dafür hält) zu bringen. „ Alarm Clock“ wartet mit einer R&B-Bridge auf, die von einem Madonna-Stück aus den Nullerjahren stammen könnte. „Waiting In The Wings“ surft die Taylor-Swift
Welle, circa „Red“ (2012). Ziemlich hübsch gerät das soulig groovende „Love Life“, das dezent an „Respect Yourself“ von den Staple Singers erinnert. So gospelig, wie es die Charts erlauben, wird es in „You Can’t Change The Weather“. Der Bombast von „Evolution“ hält noch am ehesten, was der Titel verspricht. Das Quietschen von Tom Morellos Gitarre hätte es dafür allerdings nicht gebraucht. Der Schmachtfetzen „Don’t Walk Away“ schreit geradezu nach Verwendung in einem Beziehungsmelodram à la Hollywood. In Sachen Pop und Politik ganz bei sich ist Crow schließlich in „Broken Record“.