SHORT CUTS

The Kingsbury Manx Bronze Age ****

LoFi-Indie-Folk von einer Band aus North Carolina: TKM singen verwunschene Lieder zu akustischen Gitarren und entspannt geschlagenen Trommeln. Es zieht sich eine schöne Friedfertigkeit durch diese manchmal leicht psychedelische Musik. Sie drängt sich nicht auf, hat aber etwas Unwiderstehliches – so, als ließe man sich von einem guten Freund hypnotisieren.(Yep Roc/Cargo)

Ralfe Band Son Be Wise ***1/2

Kaum jemand schreibt seinen Songwriter-Folk so schön schräg und wackelig wie Oly Ralfe, der auch hier wieder an allen Klischees des melodramatischen Folk-Liedes vorbeikommt, stattdessen einen Seitenblick auf Eric Satie und Lee Hazlewood riskiert und so eine sehr schöne, spleenig romantische Platte aufgenommen hat.(Highline)

Johannes Falk 360° ***1/2

In dem Lied „Der alte Mann und das Meer“ besingt Johannes Falk seinen Vater, den Tod und die Ewigkeit so ergreifend, dass man sprachlos ist. Der Songwriter-Pop des Heidelberger Sängers/Pianisten ist gleichzeitig tief melancholisch und stolz, verletzlich und verschwiegen.(Gerth)

Levin Between The Lights ***

Herzlich seufzendes Debüt eines Schweizers mit seiner international besetzten Band. Die Lieder summen warmherzig, als hätte John Mayer das Coolsein aufgegeben oder als wäre Cat Stevens wieder jung.(Material)

Shannon Wright In Film Sound ***1/2

Dunkel kantiges Album der Sängerin/Gitarristin aus Atlanta – Wright entwirft einen Noiserock-Grunge-NoPop, der sich mit mal gedrosselter, mal unkontrollierter Wut in die Haut ritzt und in die Seele wühlt, bis man ganz benommen ist. Wuchtig, wütend, leidenschaftlich. (Vicious Circle/Cargo)

Black Star Riders All Hell Breaks Loose **1/2

Das letzte autorisierte Line-up von Thin Lizzy heißt jetzt Black Star Riders und veröffentlicht hier neue Songs, die im Geiste Phil Lynotts verfasst wurden. Durchaus mit Erfolg, wenn man Lizzy liebt. Zeitgenössisch geht aber anders. (Nuclear Blast)

The Pigeon Detectives We Met At Sea **1/2

Offenbar gelangweilt vom nach allen Regeln der Kunst organisierten britischen Indie-Pop, verzichten die Pigeon Detectives hier auf studiotechnische Finesse. Der Sound ist deutlich rauer, die Energie greifbarer -gut so. Ihrem Dreieinhalbminuten-Indiediscopop bleiben die Briten trotzdem treu.(Cooking Vinyl)

Caro Emerald The Shocking Miss Emerald **1/2

Caro Emerald wurde mit „A Night Like This“ zum One-Hit-Weltstar, nun geht die Reise in die Vergangenheit weiter. Hollywood und Paris der 20er-Jahre, Bossa, Swing, Audio-Haute-Couture, präsentiert mit aktuellen Beats und Samples. Glamourös, stilsicher, gut ausgedacht, aber gewiss nicht schockierend.(Universal)

Owls By Nature Everything Is Hunted ***

Rau und mit Hochdruck, aber gleichzeitig musikalisch souverän gespielter Mix aus Folk, Country und Pubrock von einem Quintett aus Kanada. Das Beste an dieser guten Platte ist die rückhaltlose Energie, mit der sich die Band in ihre Lieder wirft.(Gunner)

Okta Logue Tales Of Transit City ***1/2

Schlurfender 60s-Blues-Psychedelic-Indie-Brit-Pop von einer Band aus Darmstadt, die die alten Stile mit Bravour beherrscht. Dampfende Orgel, Stimme mit Charakter, David-Gilmour-Soli, erstaunlich facettenreiche Arrangements: gut!(Sony)

Visage Hearts And Knives **

Fading in: 29 Jahre nach dem letzten Visage-Album wagt sich Steve Strange gemeinsam mit unter anderen Steve Barnacle und Robin Simon an neues Material -und findet zu dem New-Romantic-Sound von damals zurück. Aber wozu?(Blitz Club)

The Thermals Desperate Ground ***1/2

Auf ihrem sechsten Album klingt die Band aus Portland mal wie eine Punkrock-Variante der Decemberists („The Sunset“), mal, als würden Green Day Dinosaur Jr. spielen („I Go Alone“), dann wieder wie eine aufgedonnerte Version eines Wedding-Present-Songs („The Sword By My Side“). Nur die durch Vocoder verzerrte Stimme nervt auf die Dauer etwas.(Saddle Creek/Cargo)

Paper Aeroplanes Little Letters *1/2

Sarah Howells und Richard Llewellyn sind sicher nette Menschen, ihre Musik klingt zumindest so. Auf ihrem dritten Album haben sie elf nette Popsongs untergebracht, die selten bezaubern und zu oft Gefühligkeit mit Gefühl verwechseln.(Navigator)

The Crystal Fighters Cave Rave **1/2

Es ist nie zu spät, um auf den MGMT-Phoenix-Zug aufzuspringen – das hat sich wohl das Londoner Trio gedacht und sein zweites Album mit viel Durchhaltepop vollgepfropft. Ein Stück wie „Separator“ wirkt da geradezu experimentell, wenn es Vampire-Weekend-Gitarrenfäden mit Whoa-Whoa-Chören verwebt.(PIAS)

Ola Podrida Ghosts Go Blind **1/2

Dass David Wingo zuletzt hauptsächlich an Soundtracks gearbeitet hat, hört man auch in den neuen, weit ausgreifenden Stücken seiner Band. „Ghosts Go Blind“ ist mehr epischer Gitarrenklangbogen als Songsammlung. Doch die Atmosphäre bleibt zu unscharf, um Sogwirkung zu entfalten. (Western Vinyl)

Lasse Matthiessen Carry Me Down ***1/2

In Schweden scheint die Zeit stillzustehen – oder zumindest im klassischen Folk-Pop von Lasse Matthiessen. Ein bisschen mehr Bewegung bringt Songschreiberin Halla Nordfjörd ins Spiel, die verhalten mitsingt. In den besten Songs erinnert das an Lloyd Coles „Music In A Foreign Language“.(Solaris Empire)

The Veils Time Stays, We Go ***1/2

Man darf sich vom ersten, durchschnittlichen Song nicht abschrecken lassen: The Veils haben eine solide, energische Rockplatte aufgenommen. Und Finn Andrews hat wieder tolle Songs geschrieben, etwa das zackig-aufgekratzte „Train With No Name“ oder den musikalischen Film noir „Candy Apple Red“.(Pitch Beast)

The Uncluded Hokey Fright **

Wenn Rapper Aesop Rock und die Ex-Moldy-Peaches-Sängerin Kimya Dawson aufeinandertreffen, klingt das, als hätten die Cartoon-Figuren von „South Park“ eine Band gegründet. Dabei kommen dann Titel wie „Kryptonite“,“Eyeball Soup“ und „Tits Up“ heraus, hinter denen sich irrwitzige Textlawinen lösen und die Musik unter sich begraben.(Rhymesayers Entertainment)

Abonniere unseren Newsletter
Verpasse keine Updates