Snow Patrol Wildness 

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Snow Patrol haben Pause gemacht, aber nicht wirklich. Frontmann Gary Lightbody entwickelte seinen Verlag, nahm Coverversionen auf und schrieb Lieder mit Kollegen (etwa als Tired Pony mit R.E.M.-Gitarrist Peter Buck). Genau wie Gitarrist Johnny McDaid, der Songs für Ed Sheeran und Robbie Williams schrieb und als Produzent ein zweites Standbein hat. Dazu Seitenprojekte, Tourneen mit anderen Künstlern, Soundtrack-Beiträge: Snow Patrol sind im Geschäft. Und doch hat insbesondere Lightbody die Karten neu gemischt, er musste eine Schreibblockade überwinden und sich offenbar einigen Dämonen stellen. Der Alkohol musste weg, die Krankheit des Vaters setzte ihm zu, zwei Patenkinder veränderten die Perspektive aufs Leben. Das neue Werk, „Wildness“, ist anders als alle anderen von Snow Patrol.

https://www.youtube.com/watch?v=JUaVhMjlPZg

Es beginnt mit dem rohen, fast als Artrock inszenierten „Life On Earth“: Ein Akkordchange wie von Neil Young, dazu Lightbodys brüchiger, ungeschützter Gesang. „This is something else“, weiß der Sänger, und das ist wahr. Auch „Don’t Give Up“ steht auf einem ungeschönten, digital erweiterten Beat. Lightbody klingt nüchterner, entschlossener als bisher – er habe bislang nur Fragen gestellt, jetzt sei es Zeit für ein paar Antworten.

„What if this is all the love you ever get?“

Hier hat man das Produktionsdesign schon verstanden, das sich Jacknife Lee ausgedacht hat: weniger Glamour und verschleierte Playbacks, mehr Platz für erkennbare Signale. Dazu kommt elektronisches Beiwerk, das Snow Patrol etwas Gegenwärtiges, aber auch etwas dezent Dunkles beimischt. Zum Beispiel bei dem Augen-zu-­Arme-in-die-Luft-Lied „Empress“, da spielt jetzt eine emotional reife Band. Ein paar Songs machen den Spagat ins Radio, etwa das mit Falsett gesungene, fast funky gespielte „Dark Switch“, oder „Heal Me“, bei dem Lee eine ähnliche Perspektive auf Modernität entwickelt wie zuletzt Portugal. The Man.

„What if this is all the love you ever get?“, fragt Lightbody etwas später in dem gleichnamigen Lied, er singt es allein zum Klavier. Das ist hier das Manifest, das Sich-Stellen, das In-Kauf-Nehmen, das Sich-nicht-mehr-Weckducken. Die Band verlässt mit ihrem Sänger das Gewohnte, das Album wird zum Spiegel dessen, was passiert. Zum Beispiel beim epischen „Soon“, bei dem Synthies fräsen und Gitarren japsen und das Schlagzeug trottet, als trüge es eine schwere Bürde. (­Polydor/Universal)

https://www.youtube.com/watch?v=D52qnC7dJcQ
Die besten Konzeptalben aller Zeiten: The Who - „Quadrophenia“

Der alles überwältigende Song kommt am Schluss. Regen prasselt, als die ersten Klavierakkorde zu „Love, Reign O’er Me“ einsetzen, dieser Sehnsuchtshymne adoleszenter Jugendlicher, zu der im Jahre später gedrehten Kinofilm (mit Sting!) der Held, ein Mod namens Jimmy, von der Klippe ins Open End springt und sein Scooter zerschellt, während er auf dem Doppelalbum mit einem Bötchen aufs Meer hinausrudert, was natürlich ein bisschen weniger offensichtlich ist. Für „Quadrophenia“ sprechen vor allem drei Argumente: Die Mod-Kultur, die schönste Jugendkultur aller Zeiten; ihre Musik (Northern Soul) war so hitzig wie ihre Tänze elegant und ihr Styling (Parkas, Ponys, enge Anzüge, Mädchen…
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